Miet Warlop «One Song. Histoire(s) du théâtre IV»
Sport frei! Das ist das unerklärte Motto von «One Song». Eine grob gezimmerte Zuschauertribüne mit wehender Vereinsfahne und Stadionsprecherin füllt sich zuerst, die Bühne beherbergt zudem einen Schwebebalken, ein Laufband und eine Trainerbank an der Außenlinie. Irritierend sind da zunächst die Schlagzeugtrommeln, die im Raum herumstehen, und der liegende Kontrabass, aber das hat wohl mit dem Titelsong zu tun.
Fünf Fans mit riesigen Schals, fünf Sportler und ein Cheerleader mit Pompons gesellen sich alsbald dazu, und als die Violinistin im Sportrock mit ihrer Geige auf den Schwebebalken steigt und den Song beginnt, toben die jubelnden Fans. Während die Musikerin zu den immergleichen Tönen auf dem Sportgerät auf- und abmarschiert. Ein Sportler liegt unter dem Kontrabass und zupft Sit-ups, der Schlagzeuger rennt zwischen Trommeln, der Keyboarder muss im Strecksprung an sein Instrument gelangen. Brutal und durchdringend macht das Tempo des Metronoms alle und alles zu seinem Sklaven. Der Song dröhnt in Dauerschleife – während der Sänger auf dem Laufband ebenso ausdauernd läuft. Der Liedtext handelt von Verlust, Trauer und Hoffnung. Aber alles Szenische eskaliert, bis zur völligen ...
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Tanz Januar 2024
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Torben Ibs
Als 1998 der ausgediente Gare du Midi in Biarritz, bis dahin ein als Kongresszentrum genutzter Bahnhof, mit Tanzstudios ausgestattet und in ein Centre national chorégraphique umgewandelt wurde, gab es weder Smartphones noch Tablets. Und dass in Biarritz mal jemand etwas anderes anschauen würde als Rugbyspiele und vielleicht noch klassisches Ballett, das erschien...
Sahar Dehghan, Sie sind in Teheran zur Welt gekommen und leben heute in Frankreich, wo sie mit Sufi-Tänzen an Demonstrationen für die Rechte der Frauen im Iran teilnehmen. Inzwischen sind Sie hier so bekannt, dass Bartabas auf Sie aufmerksam wurde und Ihnen anbot, in seinem neuen Stück «Cabaret de l’Exil – Femmes Persanes» als Solistin aufzutreten. Wie kamen Sie...
Stille. Nein, da läuft jemand, immer noch, tap-tap-tap wie ein zu schneller Sekundenzeiger. Die Tänzerin auf dem Laufband hält nie an. Sie trägt ein Kleid, auf den letzten Metern hält sie eine weiße Fahne, Zeichen der Hoffnung. Nicht hier. Der Schluss von «Last Work», das Ohad Naharin 2015 für Batsheva schuf, rollt ein katastrophisches Bild aus. Mit Klebeband soll...
