Clubbing Codes
Als 1998 der ausgediente Gare du Midi in Biarritz, bis dahin ein als Kongresszentrum genutzter Bahnhof, mit Tanzstudios ausgestattet und in ein Centre national chorégraphique umgewandelt wurde, gab es weder Smartphones noch Tablets. Und dass in Biarritz mal jemand etwas anderes anschauen würde als Rugbyspiele und vielleicht noch klassisches Ballett, das erschien unvorstellbar.
Doch es existierte noch eine Kulturpolitik mit erkennbar gezeichneten Visionen: im Baskenland, nahe der Grenze zu Spanien, eine blühende Tanzlandschaft entstehen zu lassen und so die Verbindung der Region zur Metropole Paris zu stärken. Ein Konnex, der nicht zuletzt aus politischen Gründen geboten schien – angesichts der Untergrundorganisation ETA, die eine Autonomie des Baskenlandes mit Gewalt durchsetzen wollte. Die baskische Terrororganisation nutzte dabei Unterschlüpfe im französischen Grenzgebiet, die Region um Biarritz war sozusagen ihr operatives Hinterland.
Mitten im Luxus
Nun ist interkultureller Tanz kein Reparaturkit für zerspringendes Staatsporzellan. Und dass die ETA heute in der baskischen Politik kein Faktor mehr ist, daran hat das Malandain Ballet Biarritz – benannt nach seinem Gründer und ...
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Tanz Januar 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn
Als Terroristen Menschen beim Tanzen in Re’im ermordeten, gastierte Adi Boutrous in Potsdam. «Wir verstanden nicht, was da zuhause passiert», erzählt der Israeli, arabischer Christ, später. Sie tanzten dennoch. Es folgte eine Schweigeminute. Zu viel Schweigen mancherorts. Gastspiele israelischer Kompanien wurden abgesagt. Ein Grund: Theater können nicht für...
Wenn man Richtung Norden fährt und die Landesgrenze zu Schleswig-Holstein überschreitet, dann kommt man an touristischen Schildern vorbei: «Willkommen im echten Norden». «Echter Norden», das fand ich immer ein bisschen arrogant, es gibt ja auch noch Mecklenburg-Vorpommern und Skandinavien. Melanie Zimmermann, Ihr neu konzipiertes Festival heißt «Real Dance»,...
Newcomer
MTHUTHUZELI NOVEMBER
Es ist die zweite Probenwoche für den neuen Abend «Timekeepers» am Opernhaus Zürich: mit einer Arbeit der neuen Ballettdirektorin Cathy Marston, Bronislawa Nijinskas «Les Noces» (S. 56) – und einer Kreation von Mthuthuzeli November. Bevor die Arbeit losgeht, schallt fröhliches Gelächter aus dem Studio. Im Gespräch wird mir der junge...
