meine beine sind waffen
Der Cancan ist «French», so viel ist klar. Aber ganz anders, als wir bisher dachten. Im Rampenlicht des Moulin Rouge bleibt seine wahre Geschichte unsichtbar. Was dort geschieht, ist Blendwerk für Touristen, aber auch für Frankreich selbst. Natürlich kennt alle Welt die Cancan-Legende La Goulue (Die Fresserin) auf den Bildern und Plakaten von Toulouse-Lautrec.
Doch wer weiß heute noch, welchen gesellschaftlichen Stellenwert Tänzerinnen wie sie und ihre Konkurrentinnen Grille d’Égout (Gullideckel) oder La Môme Fromage (Der Käsebalg) besaßen? Schon ihre Namen machen den Unterschied zum heutigen, touristentauglichen «French Cancan» deutlich. Der Tanz von einst war nicht «French», sondern frech, ein äußerst lebhaftes Kind der Revolution von 1830, mit der sich das Bürgertum nach einer Phase der Restauration Macht und Einfluss verschaffte. Und er war ein schmerzvoll erkämpfter Durchbruch der weiblichen Emanzipation.
Sein ursprünglicher Name lautete: Le Chahut (Der Radau)! Es handelte sich um eine Art Anti-Tanz, einen wilden Galopp, entstanden in den öffentlichen Ballhäusern, den Guingettes. Dorthin ging man eigentlich, um die strikt geregelte Quadrille zu tanzen. Über einhundert Ballsäle ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: traditionen, Seite 58
von Thomas Hahn
Die 13 war ihre Glückszahl: Geboren am 13. September 1889, fand ihre Taufe an einem Freitag, den 13., statt, die Festgesellschaft samt Täufling zählte – 13 Köpfe. Gute Omen, denn die Bilanz dessen, was sich in den folgenden fast hundert Jahren ereignete, lautete: «Mein Leben war sehr schön und interessant, manchmal zwar auch schwer, aber sehr bewegt.» Stimmt!...
Nicht einmal einer Handvoll Tänzer ist diese Auszeichnung bislang zuteil geworden: Margot Fonteyn, Rudolf Nurejew, Mikhail Baryshnikov und Gelsey Kirkland haben es irgendwann aufs Cover des «Time Magazine» geschafft – jetzt kommt eine dazu, die nach Einschätzung der Redaktion ein vorbildliches role model abgibt.
Misty Copeland, Solistin des American Ballet Theatre...
Kinder, wie die Zeit vergeht! «Ich war immer die Jüngste im Ensemble», klagt Brigitte Uray: «Jetzt bin ich die Älteste.» Sagt’s und steht dabei am Ende einer Reihe, die sich dem Jahrgang nach staffelt. Natürlich sieht man ihr das Alter nicht an, und deshalb positioniert sie sich innerhalb der Gruppe so, wie sie sich fühlt. Am anderen Ende der Reihe.
Jeder hält sich...
