meine beine sind waffen
Der Cancan ist «French», so viel ist klar. Aber ganz anders, als wir bisher dachten. Im Rampenlicht des Moulin Rouge bleibt seine wahre Geschichte unsichtbar. Was dort geschieht, ist Blendwerk für Touristen, aber auch für Frankreich selbst. Natürlich kennt alle Welt die Cancan-Legende La Goulue (Die Fresserin) auf den Bildern und Plakaten von Toulouse-Lautrec.
Doch wer weiß heute noch, welchen gesellschaftlichen Stellenwert Tänzerinnen wie sie und ihre Konkurrentinnen Grille d’Égout (Gullideckel) oder La Môme Fromage (Der Käsebalg) besaßen? Schon ihre Namen machen den Unterschied zum heutigen, touristentauglichen «French Cancan» deutlich. Der Tanz von einst war nicht «French», sondern frech, ein äußerst lebhaftes Kind der Revolution von 1830, mit der sich das Bürgertum nach einer Phase der Restauration Macht und Einfluss verschaffte. Und er war ein schmerzvoll erkämpfter Durchbruch der weiblichen Emanzipation.
Sein ursprünglicher Name lautete: Le Chahut (Der Radau)! Es handelte sich um eine Art Anti-Tanz, einen wilden Galopp, entstanden in den öffentlichen Ballhäusern, den Guingettes. Dorthin ging man eigentlich, um die strikt geregelte Quadrille zu tanzen. Über einhundert Ballsäle ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: traditionen, Seite 58
von Thomas Hahn
Als sechsjähriges Wunderkind entzückt das Wolferl noch die kaiserliche Familie. Als ausgewachsener Mozart jedoch will ihm die Bindung an den Toparbeitgeber der Zeit nicht wirklich glücken, statt des Adels begeistert sich das Volk für ihn. Wie Mozarts Musik sollte auch das Ballett einst die Aristokratie amüsieren, präsentierte aber eine Welt sozialer, moralischer,...
tanz im tv_________
Film und Tanz harmonieren grundsätzlich hervorragend. Aber kinematografische Miniformate nähern sich nicht allzu oft der Bewegungskunst. Aylin Tezel, dem TV-Publikum als Dortmunder «Tatort»-Ermittlerin bekannt, ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch Tanzpädagogin. Beide Professionen hat sie zusammengebracht im Kurzfilm «Tanz mit ihr», einer...
ist das Wort des Monats, erfunden vom Berliner-Ensemble-Chef Claus Peymann. Für die einen klingt Eventbude wie eine liebevolle, volksnahe Bezeichnung des Theaters, andere assoziieren damit den blanken Horror für die Kunst. Wie schon vor 200 Jahren. Damals ging es um die Pariser Ballhäuser. Für die einen taugten deren harte Bretter als Tanzschule der Nation, andere...
