Mechanisches Ballett

1919 wurde in Weimar das Bauhaus gegründet. Neunzig Jahre später wirkt die alte Schmiede der Avantgarde auf Choreografen völlig fremd.

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Das «Triadische Ballett» des damals 24-jährigen Oskar Schlemmer, uraufgeführt am 30. September 1922 am Württembergischen Landestheater in Stuttgart, war ein Höhepunkt des abstrakten Balletts. Keine getanzte Handlung, sondern ein «freies Spiel» der optischen Komposition. Statt Menschelndem tanzte Pappmaschee. Die Tutus bestanden aus bunten Holzringen. Die Arme waren gestreckt wie Schwerter. Die Beine starr wie Stahl. Der Torso: eine Kugel, rund wie der Globus.

Wir glaubten, «dass die Kraft des Tänzers – die physische freilich ebenso wie die psychische! – ausreiche, die Starre des Kostüms durch die Intensität der Bewegung zu besiegen. Es sei zugegeben, dass dieser Kampf mit der Materie nicht immer mit dem Sieg des Tänzers endete ...», resümierte Oskar Schlemmer, der große Bauhaus-Meister. Die Maske, das Material, der Mummenschanz sollten dem menschlichen Körper ebenso eins überziehen wie die damals gefeierte Fließbandarbeit, Bürokratie und Massengesellschaft.

Bauhaus in Weimar, in Dessau, in Berlin, später am Black Mountain College (mit Merce Cunningham und John Cage): Immer gab es diesen Widerstreit zwischen Form, Funktion, Fabrik und dem menschlichen Körper, dem Ganzheitlichen des ...

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Tanz März 2009
Rubrik: Bauhaus-Jahr, Seite 56
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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