Marketing

Früher waren Tänzer erhaben inszenierte Ikonen. Heute sind sie entweder fotostylisher Anreiz zum Ticketkauf oder schweißnasse Trainings-Zombies. Über Fluch und Segen der digitalen Mediokratie im Zeitalter allgewaltiger Marketingschlachten.

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«publikum spielt mit: lachen, spucken, pfiffe, tierlaute #balletsrusses @tceopera #skandal», twitterte @jeancocteau am 29. Mai 1913, angehängt war die verwackelte Smartphone-Aufnahme einer tobenden Menge. Binnen Sekunden ging der Tumult im Théâtre des Champs-Elysées um die Welt, am nächsten Morgen klickte man in Petrograd und New York die Mitschnitte auf YouTube an. Serge Diaghilew präsentierte eine Fotostrecke von Adolphe de Meyer auf seiner avantgardistisch gestalteten Homepage, auf der Facebook-Seite der Ballets russes ging die Zuschauer-Fehde unverdrossen weiter.

__________im twittergewitter

Hätte «Le sacre du printemps» mit den technischen Kommunikationsmitteln unserer Zeit noch heftiger eingeschlagen? Heute finden Theaterskandale nicht mehr auf der Bühne statt, heute ist es ein Foto der verätzten Augen Sergej Filins im Blog der britischen Tanzkritikerin Ismene Brown, das die Kraft der Bilder und die Macht des Internet bestätigt. Die Digitalisierung der Welt scheint eigentlich segensreich für den Tanz, denn das Netz bietet reichlich Platz für das, was in den Feuilletons der Printmedien schon lange zur Nischenkunst verkommen ist. Wo eine Kompanie früher ein Miniaturbildchen im ...

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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Wirkung, Seite 84
von Angela Reinhardt

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