Kompanie des Jahres: Ballett am Rhein
Kurze Beine, dicke Muskeln, blassrosa Haut. Ein langer Männerhals, ein kompakter Frauen-Brustkorb. Eine «Catwalk Company» sind sie nicht gerade. Stehen sie beim Applaus in Reihen und wandert der Blick die Körper und Gesichter entlang, ist es, als stolpere er immerzu: Hinab zur winzigen und hinauf zur hünenhaften Gestalt, vom orangeroten Ballettdutt über den kahlrasierten Schädel zu ölig gegelten Locken. Lauter Charakterköpfe, Charakterkörper.
«Schöne Mädchen, schöne Jungs – das interessiert mich überhaupt nicht», verkündet der Chef der Truppe, spricht man ihn auf den «Look» seiner Kompanie an. Was nicht heißt, dass es nicht auch bei ihm jene Ballett-Beaus und -Beauties gibt, die einen «Agon» von George Balanchine gut aussehen lassen und jeden Hans van Manen mit angemessen komplizierter Attraktivität einlösen. Und doch: Beim Ballett am Rhein wird das konventionelle Ebenmaß zum Anti-Ideal. Einzigartig – nur das zählt. Achtundvierzig- mal einzigartig. Welch überwältigender Anspruch.
Seit vier Jahren also wird in Düsseldorf/Duisburg dem Individualismus, der radikalen Subjektivität gehuldigt, und auf dieser Basis tatsächlich zeitgenössisches Ballett kreiert. Wenn schon die Gegenwart ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Die Saison 2012/13, Seite 138
von Nicole Strecker
Auf den ersten Blick scheinen sie einander wesensfremd: die Bewegungskunst des Tanzes und die den Augenblick fixierende Kunst der Fotografie. Trotzdem sind es Bilder, die den Tanz für uns festhalten, die seine Ikonografie in unseren Köpfen bestimmen. Wir haben Prominente gebeten, uns ihre ikonischen Tanzbilder zu beschreiben. Damit lenken wir den Augenmerk auf die...
«Wir bräuchten dringend einen Prinzen. Aber die sind alle in Stuttgart», stöhnte der Manager eines großen deutschen Opernballetts. Und aus Stuttgart bringt sie so schnell keiner weg, obwohl sich die männlichen Stars hier auf die Füße treten. Deshalb verwundert es nicht, dass die Herrenriege auch bei der aktuellen tanz-Umfrage das Feld klar dominiert. Seit Jahren...
«publikum spielt mit: lachen, spucken, pfiffe, tierlaute #balletsrusses @tceopera #skandal», twitterte @jeancocteau am 29. Mai 1913, angehängt war die verwackelte Smartphone-Aufnahme einer tobenden Menge. Binnen Sekunden ging der Tumult im Théâtre des Champs-Elysées um die Welt, am nächsten Morgen klickte man in Petrograd und New York die Mitschnitte auf YouTube...
