Der Poet: Andrej Uspenski
Hohe Wangenknochen, geheimnisvolle Augen, eine fein geschnittene Adlernase: Andrej Uspenski ist ein attraktiver Mann. Auf der Bühne gibt der muskulöse und sprungstarke Tänzer des Royal Ballet in London eine durch und durch maskuline Erscheinung ab. Doch was Uspenski als Tänzer vor allem anderen auszeichnet, sind seine naturgegebene Musikalität und sein intuitives Gespür für perfektes Timing – zwei hervorragende Voraussetzungen für die jüngst eingeschlagene Zweitkarriere als Fotograf.
__________hautnah
Dass er den Instinkt für den goldrichtigen Augenblick besitzt, stellt sein neues großformatiges Fotobuch «Dancers» eindrucksvoll unter Beweis. Uspenski versammelt in dem von Royal Opera House und Oberon Books koproduzierten Bildband Fotos seiner Tänzerkollegen. Sein hautnaher Zugang erweist sich als unschätzbares Privileg: So intim sind berühmte Tänzer nur selten von der Fotokamera eingefangen worden. Uspenskis ungewöhnliche Perspektiven zeugen vom sensiblen Blick des Poeten. Privat wirkt der gebürtige Sankt Petersburger denn auch eher scheu und bescheiden – obwohl man ihn draußen in der Regel mit Motorradhelm und in Lederkluft antrifft.
«Ich kam im Sankt Petersburger Stadtteil ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Transition, Seite 110
von Mike Dixon
Henry Leutwyler, was hat Sie bewogen, diesen Bildband zu machen? Es sind nicht unbedingt perfekte Augenblicke – im Sinn des konventionellen Ballettverständnisses –, die Sie festhalten.
Mein Hauptanliegen war es, Schönheit einzufangen. Und ich glaube nun mal, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist. Die Perfektion einer bestimmten Tanzproduktion...
Die Fotografie kommt dem Tanz deshalb besonders nahe, weil beide ein eindrückliches Verhältnis zur Zeit unterhalten: zu ihrem Vergehen und damit auch zum Tod. Beide Kunstformen bezeugen eine Anwesenheit von Körpern. Die Fotografie, indem sie ihre Zeitlichkeit medial übertrumpft. Die Tanzkunst, indem sie die transformierende Zone eines steten Übergangs gestaltet....
_______delavallet bidiefono
«In Brazzaville gehört der Tod zum Alltag der Menschen», sagt DeLaVallet Bidiefono. Bürgerkrieg, gesundheitliche Risiken, plötzliche, unerklärliche Explosionen … «Man lebt im Rhythmus der Totenwachen; es wäre unhöflich, jemanden, der um einen Angehörigen trauert, nach der Todesursache zu fragen.» Und was kann der zeitgenössische Tanz da...
