Marius Petipa: «Le Corsaire»
An vier Juniabenden stand die Neue Bühne des Moskauer Bolshoi im Zeichen romantischer Leidenschaften: Liebe und Verrat, Edelmut und Hinterlist, effektvoller Schiffbruch und «Paradies auf Erden» (großes klassisches Ensemble mit sechzig Mitwirkenden, weiß gekleidet, mit Rosen, Girlanden und Blumenkörbchen geschmückt, angeleitet von zwei Ballerinen). Gefeiert wurde die Wiedergeburt des alten «Korsaren», der im vergangenen Jahr sein 150-jähriges Bühnen-Jubiläum feiern konnte.
Bekanntlich ist alles Neue das längst vergessene Alte.
Zu diesem «vergessenen Alten» entschlossen sich die Regisseure des Stücks zurückzukehren – der künstlerische Leiter des Balletts des Bolshoi, Alexei Ratmansky, und sein Jahrgangskamerad an der Hochschule für Choreografie, Yuri Burlaka, einer der kundigsten Kenner des Balletts des 19. Jahrhunderts (beide studierten zusammen mit Vladimir Malakhov in der Klasse von Pjotr Pestov). Zwei Jahre lang betrieben sie wissenschaftliche Arbeit in russischen und ausländischen Archiven und Museen. Sie konnten in Paris die Originalpartitur von Adam auftreiben, studierten die Ballettaufzeichnungen von Nicholas Sergeev, die an der Harvard Universität aufbewahrt wurden, ...
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