Mario Schröder «Rituale»
Am Ende liegt Marcelino Libao in Lendenschurz auf der Bühne, um ihn herum glänzende Teile einer Samurai-Uniform, aus der er sich herausgeschält hat. Von oben droht ein schwebender Felsblock, und das Gewandhausorchester spielt die letzten Töne von Ferran Cruixents «Rituals II». Das Bild spannt einen Boden zum Anfang des Abends «Rituale», den Mario Schröder mit seinem Leipziger Ballett im Opernhaus zur Uraufführung gebracht hat.
Zu ruhig fließenden Tönen von Toru Takemitsu gleitet das Ensemble zu Beginn in Vierer- und Fünfer-Gruppen tanzend durch den weißen Bühnenraum und stattet dabei eine Holzfigur mit den Insignien des Samurai aus. Gleichwohl verläuft das Stück nicht linear, denn Schröder lässt die Tanzenden so manchen Umweg suchen, wobei sie hochpoetische Bilder schaffen. Das Orchester unter Leitung von Felix Bender darf dabei musikalisch sehr Unterschiedliches miteinander kombinieren. So steuert Takemitsu auch noch seine percussionslastige «Ran Suite» bei, während ansonsten Schuberts «Der Tod und das Mädchen» mit zweimal zwei Sätzen als Grundkonstrukt firmiert.
In diese musikalische Welt lässt Schröder seine Tänzerinnen und Tänzer durch minimalistische Bühnenbilder fließen. Da ...
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Tanz 6 2022
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Torben Ibs
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