Macht und Verlust
Eine reichhaltige Sammlung an Vorurteilen könnten Archivare in Deutschland anlegen. Eines kehrt regelmäßig wieder: Archiv = Staub. Sprich langweilig. Egal wie viele ihrer kostbaren Dokumente sie online stellen, dieses Vorurteil lässt sich einfach nicht aus der Welt schaffen. Dabei bieten Archive etwas an, das heute hoch im Kurs steht: Entschleunigung und Stille. Sie erlauben Blicke in die Vergangenheit, offenbaren deren Geruch, unverhoffte Umwege, unvorhergesehene Kreuzungen ... unter unseren Augen und Händen bekommt Geschichte Konturen.
Hier entsteht Geschichte, wird Geschichte geschrieben. Aber wie und nach welchen Plänen wurden diese Tempel des Wissens konstruiert? Wer kommt durch das Nadelöhr, sprich: ist bedeutend genug, dass der Nachlass hier Platz findet? Und dass die Lebenszeugnisse auch wirklich aufgearbeitet und ins System eingepflegt werden, damit sie überhaupt gefunden werden können? Wer bestimmt, welche Akten archiviert und nicht im Reißwolf erledigt werden? All diese Fragen sind in der zeitgenössischen Tanzszene virulent, seit das Förderprogramm «Tanzfonds Erbe» alle aufforderte, sich mit der Tanzgeschichte auseinanderzusetzen. Zwischen Recherche, Rekonstruktion und ...
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Tanz November 2021
Rubrik: Traditionen, Seite 43
von Claudia Henne
Freistellung in Linz
Die Vorwürfe, die bereits seit Februar gegen Tanztheater-Chefin Mei Hong Lin (62) am Linzer Landestheater von Tänzer*innen und ehemaligen Kompanie-Mitgliedern erhoben werden, könnten kaum heftiger sein. Es geht u. a. um Machtmissbrauch, arbeitsrechtliche Verstöße, aber auch Ideendiebstahl. Aus der geballten Kritik, die über die...
CD des Monats
ONCE UPON A TIME «Petruschka-Variationen» hieß das Ballett, das John Neumeier 1976 bei den «Schwetzinger Festspielen» vorstellte und das später ins Repertoire des Bundesjugendballetts übernommen wurde: kein Puppenspiel à la Fokine, sondern eine eher abstrakte Choreografie, die sich ganz auf die Komplexität der «Trois mouvements de Pétrouchka» von Igor...
Niemand stellt sich eine Buddhistin so vor. Eine Tänzerin auch nicht. Silvia Gribaudi wird also gern attestiert, eine Revolutionärin zu sein. Eine des Körpers. Doch wäre sie wirklich eine Aktivistin, dann eher als Sozialarbeiterin. Immer wieder engagiert sie sich in breitenwirksamen Projekten. Ihre neckischen Stücke für den öffentlichen Raum erinnern wiederum an...
