ludwigsburg: en avant, marche!
Ein stämmiger Mann (Wim Opbrouck) betritt missmutig die Bühne. Seine gestreiften Hosen lassen erkennen, dass er Mitglied einer Brass-Band ist. Er schließt einen DVD-Player an, nimmt ein Becken zur Hand und wartet auf seinen Einsatz in Wagners «Lohengrin»-Ouvertüre. Doch schon bald wird ihm langweilig, da die Musik für sein Instrument kaum Arbeit vorsieht. Als die übrigen Band-Mitglieder auftreten, versteckt er sich. Doch der Mann ist keineswegs so schüchtern, wie es zunächst scheint. Vielmehr hat er soeben die Diagnose Kehlkopfkrebs bekommen.
Deshalb könne er nun nicht mehr Posaune spielen und fühle sich in die hinterste Reihe der Band verbannt, erklärt er in gereizt-zynischem Tonfall. Und auf Italienisch, was kein Zufall ist: Er zitiert aus Pirandellos Monolog «L’uomo dal fiore in bocca», in dem ein Mann seiner Wut über seinen Krebs Ausdruck verleiht. Schließlich verfällt er in ein Kauderwelsch aus Französisch, Niederländisch und Deutsch.
So weit das Grundgerüst von «En avant, marche!». In Pirandellos Drama verstößt der Mann nach der Diagnose seine Geliebte, hier belästigt der Protagonist die Cheerleader der Band mit obszönen Bemerkungen. Eine der Frauen (Griet De Backer) gesteht ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Pieter T‘Jonck
Kinder, wie die Zeit vergeht! «Ich war immer die Jüngste im Ensemble», klagt Brigitte Uray: «Jetzt bin ich die Älteste.» Sagt’s und steht dabei am Ende einer Reihe, die sich dem Jahrgang nach staffelt. Natürlich sieht man ihr das Alter nicht an, und deshalb positioniert sie sich innerhalb der Gruppe so, wie sie sich fühlt. Am anderen Ende der Reihe.
Jeder hält sich...
ist still und leise von uns gegangen. Als wir uns 1973 bei Pina Bausch kennenlernten, war sie jung und wunderschön. Sie wurde zwar älter, zärtlicher, zerbrechlicher, aber blieb dabei stark und unglaublich schön. Eine kostbare Person. Faszinierend. Einzigartig. Eine Kämpferin, die wichtig für viele von uns war. Geredet hat sie gerne und gelacht noch viel mehr. Die...
war im Ballett der Städtischen, später Deutschen Oper von 1952 bis 1965 eine der markantesten Persönlichkeiten. Den schroffen, expressiven «Berliner Stil» Tatjana Gsovskys verkörperte sie grandios: Klein, energiegeladen bis hoch explosiv hatte sie eine Präsenz, die bis in den 3. Rang feuerte. Das extrem schmale Gesicht mit dem langen Kinn verstärkte ihre aufrechte...
