leipzig: Uwe Scholz, Mario Schröder: «Herzbrennen»
Márcia Haydée, die große Stuttgarter Choreografin, hatte 1994 in Ludwigsburg ihr Premierenprogramm «Ballettklassiker von heute und morgen» genannt, wahrscheinlich um Werke von gestern gegenwärtiger erscheinen zu lassen und gegenwärtige etwas moderner. Viel geholfen hat es nicht.
Das «Paquita»-Divertissement wie auch die «Chaconne» von George Balanchine sind inzwischen längst wieder vom Spielplan des Stuttgarter Balletts verschwunden – und auch das «Bartók 1. Klavierkonzert», bei der Uraufführung durchaus begeistert
aufgenommen, hat sich nicht dauerhaft behaupten können.
Dabei stand das Stück von Uwe Scholz, will man den Kritikern Glauben schenken, seinerzeit gleichsam unter Strom. «Vom Blitz der Erkenntnis getroffen», hieß es damals, agierten die Tänzer wie elektrisiert.
«Herzbrennen» nennt Mario Schröder nun den dreiteiligen Ballett-abend mit Werken von Uwe Scholz, den das «Erste Klavierkonzert» eröffnet. Damit betont der Leipziger Ballettchef weniger die akademische Seite seines Mentors, auch wenn der sich bei seiner Béla-Bartók-Interpretation auf Balanchine bezieht. Vielmehr wird das Augenmerk der Zuschauer auf andere Aspekte der Choreografie gelenkt, und tatsächlich finden sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Hartmut Regitz
Wie in nur drei Tagen sämtliche Spielarten des zeitgenössischen Tanzes abgedeckt werden können, machen die «Niederländischen Tanztage» vor. Der Eröffnungsabend zeigt Choreografien von William Collins, Itamar Serussi und Andrea Leine/Harijono Roebana, bietet also dem aufstrebenden Nachwuchs ebenso wie bereits arrivierten Akteuren eine Plattform. Davor lassen Emio...
Einmal mehr schleudert Virgilio Sieni eruptiv wie ein Vulkan eine neue Idee in die Welt: Ausgangspunkt für «De Anima» ist Aristoteles‘ gleichnamiges Werk, dessen erstes Buch die These enthält, dass die Seele das Prinzip, ja der Initialfunke aller Bewegung sei. Dank ihrer gänzlich ursprünglichen Körperlichkeit verflacht Sienis neue Kreation jedoch nie zu steriler...
In der klassischen Tragödie mag der Schmerz noch ein großes, edles Gefühl gewesen sein. In Wahrheit aber macht jeder Kummer klein und gemein – so Jan Lauwers‘ Erkenntnis in seiner neuen Produktion «Marketplace 76». Auf seinem «Marktplatz» prangt ein hässliches quadratisches Loch. Einst sprudelte hier ein «Fons Amoris», wie dem Zuschauer zunächst berichtet wird....
