erna ómarsdóttir

Die isländische Tänzerin im Gespräch über Monster und Blut mit Sandra Luzina

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Erna Ómarsdóttir,
bei der Tanz-Biennale in Venedig haben Sie eine neue Version von «We saw monsters» gezeigt. Da treten Sie als verführerische Erzählerin schauriger Geschichten auf und lassen zwei Tänzer an Ihren nackten Brüsten saugen. Sind Sie die Mutter des Bösen, die Monstermacherin?
Ich war im siebten Monat schwanger, als das Stück in Island Premiere feierte. Deshalb beschäftige ich mich darin so sehr mit der Rolle der Mutter.

Ich dachte an die große Verantwortung, denn es ist nicht so einfach, die richtige Balance zwischen Liebe und Gluckenverhalten zu finden. 

Sie präsentieren eine wüste Collage aus Horrorstorys – auch Hitler ist Teil Ihres Monstrositätenkabinetts. Sind das alles wahre Geschichten? 
Alle sind wahr, und die meisten ereigneten sich in den letzten Jahren. Wir erzählen zum Beispiel von dem Kannibalen aus Rotenburg, der übers Internet nach einem Mann suchte, um dessen Penis zu essen. Oder von Jeffrey Dahmer, einem berühmten Serienmörder. Er wurde häufig geschlagen von seiner Stiefmutter. Ich bin überzeugt: Man wird nicht als Monster geboren, sondern dazu gemacht – durch den Entzug von Liebe und Aufmerksamkeit.

Es scheint aber auch eine Art Ansteckung zu geben. ...

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Tanz Oktober 2012
Rubrik: menschen, Seite 28
von Sandra Luzina

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