Lea Moro

Wir haben Tanzkünstler und -künstlerinnen gefragt: «Was war produktiv? Was nehmen Sie mit? Was erwarten Sie für die nähere Zukunft?»

Ich erinnere mich an Januar 2020. Ich lag in einem Hotelbett und las die Nachrichten über ein Virus.

Ich erinnere mich an März 2020. Es war die vierte Probewoche von «All Our Eyes Believe», meinem ersten Stück für junges Publikum, und mir wurde bewusst, dass nichts mehr wie davor, nichts wie geplant sein würde. Im Wissen, dass so manches anders als intendiert kommt in künstlerischen Prozessen, erschien es mir dennoch so, als löse sich in dieser einen Woche und in dem Tag danach alles auf.

Morgens spazierte ich meist am Kanal entlang und durch die Straßen, es gab kein (körperliches) Entkommen.

Ich erinnere mich an die darauffolgenden Wochen, in denen sich die Realität ins Virtuelle verlagerte. Talks, Zooms und wieder Zoom-Talks. Zu Hause zu arbeiten, war für mich nichts Neues, das kannte ich schon. Die vollen Tage vor dem Bildschirm und die sich wiederholenden Gespräche des nichtwissenden Umorganisierens waren jedoch ermüdend.

Und dann gab es viele unerwartete Momente des Austauschs, des Teilens und Miteinanderseins. Ich freute mich über ihre Existenz und das Gefühl von Fürsorge, über übermütiges und ermutigendes virtuelles Zusammensein. Im Herbst 2020 begann ich mit dem Aufbau der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 38
von

Weitere Beiträge
Katharina Nikelski

Die letzten eineinhalb Jahre waren definitiv eine Achterbahnfahrt. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit Mitte März 2020, als wir mit Proben und Vorstellungen von «Schwanensee» voll beschäftigt waren und bereits in ganz Europa eine Bühne nach der anderen ihre Türen coronabedingt schließen musste.Wir waren definitiv eine der letzten Kompanien, die in den totalen...

Großbritannien und Spanien 2021

Einen Länderreport soll ich schreiben, bittet die Redaktion, wo ich doch in England lebe und viel in Spanien bin. Ich sage mehrfach nein und dann doch ja. Dabei zeichnet sich diese Spielzeit dadurch aus, dass ich in England praktisch nonstop, in Spanien aber nur ein einziges Mal war, nämlich letzten Dezember, in Barcelona. Andersherum wäre länderreportmäßig besser...

Präsenz

Die Forderung, dass sich Theater dem digitalen Wandel in der Gesellschaft stellen muss – und zwar sowohl inhaltlich mit den Mitteln der Kunst als auch in der Anpassung der eigenen Produktionsprozesse – ist nicht neu. Die eigene Sichtbarkeit im Digitalen und damit einhergehende neue Praktiken der Inszenierung und Rezeption für digitale Bühnen – das hat vor 2020...