Le Roman de la Danse
Man weiß nicht, was zuerst da war, der Tanz oder die Trance, doch irgendwann gab es ein kleines Grüppchen Frauen, Männer und Kinder, das auf der Suche nach Nahrung durch trostlose, feindliche Lande zog, den Rentierrudeln auf ihren Wanderungen folgend.
Und das, wenn es rastete oder sein Lager aufschlug, jene paradoxe Darbietung erlebte, die darin besteht, zu verharren und sich doch zu bewegen, eine beträchtliche Menge an Gesten und Energie aufzuwenden und sich dabei nicht von der Stelle zu rühren – immer noch auf der Jagd, diesmal aber nach einer anderen, einer unsichtbar gegenwärtigen Beute, auf der Jagd nach Aufmerksamkeit, weniger der Zuhörer denn der Geister. Mit anderen Worten: Wozu noch weiter vordringen auf der großen Bühne der Welt, wenn man auch in einem Kreis aus gut zwanzig Menschen eine Art reglose Reise über die großen Ebenen des Imaginären erfinden kann, eine Reise gen Himmel, in kleinen Schritten, mit kleinen Sprüngen, in jenem geschlossenen Raum der Aufführung, die einen Wunsch inszeniert, den Wunsch vielleicht, an Ort und Stelle zu bleiben. Denn im Tanz äußert sich auch die Ermattung, immerzu weiterziehen zu müssen. Der Tanz fingiert Fortbewegung. Was auch im ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Ästhetik: Ins Offene, Seite 84
von Jean Rouaud
Was für eine vielversprechende Ansage: Richard Siegal / Ballet of Difference wird die neue Company heißen, mit der der einstige Forsythe-Tänzer und inzwischen schon langjährige Choreograf die Tanzwelt sowohl aufmischen als auch voranbringen will. Und wenn das einem zuzutrauen ist, dann Siegal. Wenn man ihn bisher auf einen Stil festlegen wollte, war er längst...
Eine Naturbegabung als Wrestling-Kommentatorin, ein beachtliches Talent in Suspense und in Synchronschwimmen, ein Händchen für Songwriting und Clipdesigning: Kareth Schaffer hat ihren Hang zum Doppelbödigen und Bodenlosen bereits in Formaten bewiesen, die nicht unbedingt als tanznah gelten. Spätestens mit dem abendfüllenden «Unheard of» (2015) ist klar, dass auch...
Er wirkt tiefgründig, leidenschaftlich, fokussiert: Seine Präsenz ist so stark, dass er selbst beim Training auffällt, wenn er als ein Tänzer unter vielen gar nicht im Mittelpunkt steht. Yu-Min Yang ist seit 2010 Mitglied der Tanzkompanie Konzert Theater Bern und hat sich gegen eine internationale Konkurrenz durchgesetzt und den «Berner Tanzpreis 2016» gewonnen....
