Lauren Cuthbertson
Eine Woche vor unserem Interview sah ich Lauren Cuthbertson als Zuckerfee in Sir Peter Wrights berühmter «Nussknacker»-Produktion. Im Anschluss an ihre Solo-Variation brach das Londoner Premierenpublikum in donnernde, lang anhaltende Beifallsstürme aus. In diesem Augenblick beschlich mich der Eindruck, dass Lauren Cuthbertson nunmehr in den Zenit ihrer künstlerischen Laufbahn eingetreten ist – einer Karriere, die bis dahin durchaus nicht kometenhaft, sondern beständig und vergleichsweise unspektakulär verlaufen ist.
Seit jeher eine starke, ernsthafte Künstlerpersönlichkeit von expressiver Gestaltungskraft und technischer Finesse, ist sie mit jeder neuen Rolle gewachsen und gereift und wirkt in vielen ihrer Interpretationen ernst, ja geradezu distanziert. Natürlich sind so gut wie alle Balletttänzer diszipliniert, doch Lauren war stets anzumerken, dass sie – bis zur kürzlichen Ernennung von Francesca Hayward – ihre Rolle als einzige britische Principal-Tänzerin im Ensemble des Royal Ballet mit besonders großem Verantwortungsgefühl wahrnahm. Immerhin zwei abendfüllende Werke hat der Choreograf Christopher Wheeldon eigens für sie kreiert: «Alice‘s Adventures in Wonderland» (2011) und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für Margaretha Geertruida Zelle, geboren 1876, standrechtlich erschossen 1917, haben sich die niederländischen Kreativen nach ihrem Tod nicht sonderlich interessiert, obwohl sie eine der Ihren war. Jetzt aber hat Het Nationale Ballet (tanz 4/16) am Mythos der Schönheitstänzerin und angeblichen Spionin, die unter dem Künstlernamen Mata Hari weltberühmt wurde, doch...
Michaela DePrince, bekannt geworden durch den Film «First Position» und ihre Autobiografie «Ich kam mit dem Wüstenwind», wechselte vor vier Jahren vom Dance Theatre of Harlem an die Junior Company des Holländischen Nationalballetts. Seit 2014 ist sie Ensemblemitglied der Hauptkompanie, ihr gehört die aus Sierra Leone stammende Botschafterin der gemeinnützigen...
Der berufliche Tanz ist nicht unbedingt der private. Wenn ich nach einer Vorstellung die Möglichkeit zum Tanzen vorfinde, denke ich manchmal: «Danke, hab ja schon.» Als noch die Sonne schien, verspürte ich auf einer Marathonveranstaltung beim Dortmunder Festival «Favoriten» nach zwölf Stunden Dauertanz nur noch einen Wunsch: mit dem Rollstuhl an eine Bar gebracht...
