Lagos
Die Entwicklung, die der Tanz als Bühnenkunst gegenwärtig in Westafrika vollzieht, führt ausgehend von traditionellen Ausdrucksformen hin zu einem stärker gegenwartsbezogenen Vokabular. Kunstschaffende schöpfen aus ihrer jeweiligen aktuellen Lebensrealität, um neue Formen des persönlichen Geschichtenerzählens auszuloten – multimedial und mit Elementen des Tanzes.
Sie entwickeln den Tanz damit über den bloßen Entertainment-Horizont hinaus fort und produzieren Arbeiten, die Politik, Kolonisierung, gesellschaftliche Ungleichheit und Fragen der Geschlechtergerechtigkeit als Faktoren des sozialen Wandels hinterfragen.
Auf den Bühnen von Lagos etwa gehören derzeit Mara und Ogba zu den angesagten Tanzstilen, die dem Genre Naija Craze zugerechnet werden können: Tänze, die von der Hektik des Arbeitslebens, der lärmenden Umgebung – Autohupen, öffentlicher Nahverkehr – sowie von skurrilen Figuren aus dem alltäglichen Straßenbild inspiriert sind. Rasante Beinarbeit zu Klängen von durchschnittlich 160 bpm – und damit dem indigenen Atilogwu aus den östlichen Landesteilen Nigerias, dem nordnigerianischen Tanz R’wankifi sowie dem Zaouli-Maskentanz aus Côte d’Ivoire nicht unähnlich. Mit diesem Mix ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Parkett International, Seite 158
von Ridwan Rasheed
Ende Februar 2025 gaben das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und dessen Intendant Boris Charmatz eine überraschende Entscheidung bekannt: Die Zusammenarbeit solle zum Ende der Saison 2024/2025 vorzeitig beendet werden. Verblüffend, denn geplant war ein sehr viel längerfristiges Engagement. Die offizielle Sprache der Bekanntmachung, von der Stadt Wuppertal über das...
Es scheint eine Art Naturgesetz zu geben, das da lautet: Was immer Damien Jalet in die Hand nimmt, wird zu Gold. Und oft erreicht er damit ein Publikum, das gar nicht zur Gemeinde des zeitgenössischen Tanzes gehört. Gemeinsame Projekte mit Madonna oder JR führten dazu, dass sich auch Lifestyle- und Modemagazine für den Choreografen interessierten. Denn Jalet ist...
Kyle Abraham mischt den Wortschatz des Tanzes auf, indem er Schwarze Idiomatik ins Ballett einfließen lässt und das klassische Genre damit in die Gegenwart holt. In «Cassette Vol. 1» gönnte er Taylor Stanley, Principal Dancer beim New York City Ballet (NYCB), eine wunderbare Szene. In Zeitlupe pustete ein Ventilator in kitschiger Hollywood-Manier Stanley ins...
