Xóchil A. Schütz

Xóchil A. Schütz sucht nach einem Tanz, der froh macht.

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Ich stehe im Supermarkt, an der Kasse. Die Frau vor mir hat ein blaues Auge, der Mann hinter mir riecht nach Urin. Ihm fällt sein Kleingeld auf den Boden, ich hebe es auf und gebe es ihm. Vor ein paar Tagen stand ich auch hier. Da waren zwei Männer hinter mir, mit einem Mädchen, das war vielleicht vier. Sie kauften zwei Flaschen Wodka und ein Glas Nutella, und die Männer rochen nach Alkohol, sehr. Mir ist nicht nach tanzen. Ich wohne im Wedding.
Freunde und Freundinnen rudern und schwimmen. Viele fürchten unterzugehn. Mir ist nicht nach tanzen. Sie werden verstehn.

Vielleicht wär mir nach einem sehr traurigen Tanz. Doch es scheint mir viel zu dramatisch, auf die Suche nach so einem Tanz zu gehn. Ich kann auf der Straße eine Mutter mit Kind Pfandflaschen in Mülleimern suchen sehn. Männer sammeln Zigarettenstummel von Bürger- und von U-Bahnsteigen. Und nachts sieht man Menschen, die Hunger haben, erfolglos in klebrige Mülleimer greifen. Und ich brauch einen Tanz, der so ist wie mein Leben. Ich will gehen. Und stehen. Mich um mich selbst und um andere drehen. Was will ich da? Ist das nicht der Volkstanz? Und ich denke, es tanzten vor nicht siebzig Jahren Tausende hier auf vielerlei ...

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Tanz Januar 2005
Rubrik: Was denkt..., Seite 84
von

Vergriffen
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