Keine Spur von Alterung
Warum nicht gleich «Le Martyre de Saint-Sébastien»? Das Debussy-Ballett, zuletzt von Uwe Scholz für die Mailänder Scala choreografiert, hätte Vladimir Malakhov bei der Premiere keine Buhrufe eingetragen. Sie waren auch bei «Caravaggio» nicht wirklich gerechtfertigt. Doch während hier die Geschichte des italienischen Malers ein Vorwand scheint, den männlichen Körper zu «heiligen», hätte der Intendant des Staatsballetts Berlin als Hl. Sebastian tatsächlich eine gute Gelegenheit gehabt, in Schönheit zu ersterben.
Er taucht aus der Dunkelheit der Bühne gleich zu Beginn als jener Michelangelo Merisi auf, der unter dem Namen Caravaggio Ende des 16. Jahrhunderts als ein Meister des sogenannten «Chiaroscuro» in die Kunstgeschichte einging. Das Lichtdesign jedenfalls, das Carlo Cerri entwirft, erinnert an diese Helldunkelmalerei – und wie vom Strahl Gottes getroffen, leuchtet der nahezu nackte Körper Malakhovs in geradezu narzisstischer Schönheit auf. Keine Spur von Alterung. Und auch nichts vom «schmutzigen» Realismus des italienischen Frühbarock, dem der Draufgänger Caravaggio in seinen Bildern auf revolutionäre Art huldigte. Umringt von einer Schar stummer Bewunderer, gefällt er sich ...
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Umso...
