Katharina Torwesten «Romeo und Julia»
Einen Fuß im Ballettschuh, einen barfuß, so springt uns Julia in Katharina Torwestens Choreografie zu Prokofjews Liebesklassiker entgegen. Veronika Jungblut gibt ihr Jugendfrische und Unbekümmertheit, mit der sie neugierig auf Romeo (Leony Boni) reagieren kann. Es funkt beim Ball, über dem Ausstatter Michele Lorenzini Schwerter von der Decke hängen lässt. Dazu gibt es eine graffitibesprühte Wand, Hosen statt Trikots, ansonsten eher zeitlose Allgültigkeit. Nur Pater Lorenzo (Felipe Dos Santos Vasques) hat noch seine alte Stellung und wird zum gesellschaftlichen Versöhner aufgewertet.
So verbindet er zu Beginn die Windeln der Täuflinge Romeo und Julia wie beim katholischen Hochzeitsritus, aber die eifersüchtigen Mütter verwickeln sich darin – die Macht der Kirche ist längst begrenzt. Lorenzo findet den Dolch bei Tybalt (Levin Mischel), will die verfeindeten Familien zur Versöhnungsgeste zwingen, doch er kann sich nicht mehr durchsetzen. Romeo und Julia denken bei ihrer heimlichen Hochzeit an alles andere als an Gott, umhalsen sich, wenn Lorenzo ihnen den Rücken zuwendet, und sitzen dann in vertauschten Positionen da. Nach dem tragischen Ende kann der Pater die verwaisten Mütter noch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2023
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Andreas Berger
Kann eine Kamera auf der Bühne als Teil des Spiels funktionieren? Ja, wenn der Mann dahinter Henk van Dijk heißt, der Choreograf Hans van Manen und das Stück «Live» (tanz 1/21). Anders verhält es sich, wenn der Abend um einen Fotografen, eine Fotografin herum gebaut wird. Das lässt sich sowohl an der aktuellen Grand Show «Arise» im Berliner Friedrichstadtpalast...
Notiert
Das Theater Osnabrück und Tanzdirektorin Marguerite Donlon gehen ab Sommer getrennte Wege. An mangelndem Publikumszuspruch kann es nicht liegen, Produktionen wie «Lorca» (tanz 5/23) liefen gut und bleiben auf dem Spielplan.
Die Choreografin Meg Stuart erhält das «Guggenheim Fellowship 2023» und plant eine «feministische, spirituelle und ökologische...
«Maestro, bitte singen Sie!», heißt es auf einem Zwischentitel, mit dem Dominique Dumais ihren «Chaplin!»-Abend stummfilmartig gliedert – und Enrico Calesso stimmt den «Nonsense Song (Titine)» an, ohne deshalb vom Dirigieren zu lassen, während Paul Calderone auf der Bühne so tut, als ob er der singende Chaplin wäre. Eine Schlüsselszene gleich in mehrfacher...
