Geisterwisper
«Giselle» erlebt eine Art Renaissance – es muss Gründe geben, weswegen sich in letzter Zeit nicht nur Choreografen und Choreografinnen in Deutschland mit diesem «deutschen» Ballett aus Frankreich beschäftigen?
Ich kann nur für mich sprechen. Ursprünglich wollte ich mich 2020 mit «Giselle» als neuer Ballettdirektor in Düsseldorf/Duisburg vorstellen. Das Konzept stand, am Bühnenbild wurde bereits gebaut. Aber dann stellte die Pandemie alle Planungen auf den Kopf.
Wenn ich mir heute bewusst mache, wo wir vor drei Jahren gedanklich waren, und wo wir heute stehen, merke ich, wie rasant sich die Zeit seither verändert hat. Diese Veränderungen, die Diskurse, Menschen, auch meine eigene Arbeit durchgemacht haben, hatten auch zur Folge, dass unser Konzept für «Giselle» oft die Form gewechselt hat, bevor es zu dem wurde, an dem wir nun arbeiten.
Und?
Das Faszinierendste an dem Stück ist der zweite Akt in seiner Spannung zwischen den mystischen Wilis und der großen Abstraktion. Das bereitet der erste Akt insofern vor, als die Liebesgeschichte inhaltliche Grundlage für die Wilis ist und die Thematisierung des Tanzes allgemein die Form vorgibt. Eine der Kernfragen ist in der ...
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Tanz Juni 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 13
von Hartmut Regitz
«Maestro, bitte singen Sie!», heißt es auf einem Zwischentitel, mit dem Dominique Dumais ihren «Chaplin!»-Abend stummfilmartig gliedert – und Enrico Calesso stimmt den «Nonsense Song (Titine)» an, ohne deshalb vom Dirigieren zu lassen, während Paul Calderone auf der Bühne so tut, als ob er der singende Chaplin wäre. Eine Schlüsselszene gleich in mehrfacher...
Valentino Zucchetti ist ein junger, wortgewandter Choreograf, der erfolgreich an seiner Karriere als Tanzmacher schmiedet und zeitgleich als Tänzer am Londoner Royal Ballet immer noch bedeutende Rollen verkörpert. In der Tasche hat er bereits einen «South Bank Award» sowie einen «Critics’ Circle National Dance Award» für seine Kreation «Anemoi» (Kategorie: «Best...
Erst mal den Makel abarbeiten: Die Bühne des ansonsten ja immer noch fabelhaften Essener Aalto-Theaters knarzt in der Mitte bedenklich und scheint einer Überholung zu bedürfen. Denn die Tänzer (nur die Herren, echt wahr) haben ihre Mühe, tolle Sprünge hinzulegen, ohne an der neuralgischen Stelle ein Ächzen und Krachen der Unterlage auszulösen. Das ist aber auch der...
