Johann Kresnik: «Der Ring des Nibelungen»
Als sich Johann Kresnik, 1974 in Bremen, zum ersten Mal an den «Nibelungen» vergriff und den Stoff zu einer Auseinandersetzung mit dem klassischen Ballett nutzte, war meine Rezension ein simpler Kalauer: «Das Nibelungenlied wird zum Gassenhauer mit dem Refrain Bumsphalera». Kresniks zweiter Griff zum Nibelungen-Stoff am Ende seiner Dienstzeit als Bonner Tanztheater-Chef hat eine neue Zielrichtung und eine wesentlich grimmigere Haltung. Nun rechnet er nicht nur mit Richard Wagner, sondern mit der ganzen Welt ab.
Schon im Untertitel zu «Ring des Nibelungen» – «Siegfried/Götterdämmerung» – bezieht Kresnik sich ausdrücklich auf Wagner, im Stück selbst schickt er ihn und seine Familie auf eine Bühne, aus der er am Ende unter großem Getöse Kleinholz macht.
Von Gernot Schedlberger hat Kresnik eine Musik schreiben lassen, in der von Peter Bortfeldt und Claudio Frasetto zwei live gespielte Klaviere neben einer banalen Klangkulisse vom Tonband die Erinnerung an Jooss’ «Grünen Tisch» wachrufen. Doch Kresniks wichtigster Mitarbeiter ist nicht der Komponist, auch nicht der Librettist Christoph Klimke, sondern sein Bühnenbildner: der Maler Gottfried Helnwein.
Wenn über einen Zwischenvorhang ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt nur eine Choreografie in der Tanzgeschichte, mit der man immer wieder Geschichte schreiben kann: «Le sacre du printemps», das berühmte Frühlingsopfer. Igor Strawinsky komponierte es in Lausanne, wo Ballets-Russes-Chef Serge Diaghilev sich 1915 mit dem Choreografen Léonide Massine direkt am See in die Villa Belle Rive einmietete. Man sprach über Kubismus,...
Francesca Harper, when did you begin singing in performance? Years ago with the Frankfurt Ballet. William Forsythe asked me to sing in some of his productions and when he heard that I had a voice, he started creating roles for me that required singing. A producer came to one of the performances and asked me if I wanted to start record-ing, so that’s when I started...
Wir schreiben das Jahr 1989. Madonna hat sich gerade in den Schritt gefasst – mal wieder. Diesmal trägt sie einen zweireihigen Blazer und feuert mit ihrer anderen, zur Pistole geformten Hand, einen Schuss ab. Sekunden später sehen wir sie nackt an ein Bett gekettet. Darauf folgt eine kurze Einstellung, in der sie katzenartig am Boden entlangkriecht, um aus einer...
