Jo Fabian

Die Auszeit war noch viel zu kurz

Alles bleibt in dem Zustand, in dem sich nichts befand, bevor die Corona-Krise eine Korrektur unserer Umweltwahrnehmung vornahm. So paradox es klingen mag, man muss die Katastrophen begrüßen, die uns zwingen, neu auf das Eingefahrene zu schauen. Ohne Anlass fällt es uns besonders schwer, die Strukturen, in denen wir leben und arbeiten, zu verändern.

Aus der Angst um unsere Gesundheit wurden binnen kürzester Zeit ein Sonderurlaub und dann ein Gefängnis. Der Stillstand der Welt, der so dringend nottat, um uns kurzzeitig die Augen zu öffnen, veränderte sein Gesicht.

Eigentlich gut dazu geeignet, sich zu ordnen, die Gedanken zu bündeln, zu überprüfen, was wir eigentlich tun und wie sinnvoll es ist, wurde diese Auszeit schon wieder verschwendet. Die Räder sollten so schnell wie möglich wieder rollen, die Bänder wieder anlaufen, und die Sehnsucht nach einer Normalität, die sich in vielen Bereichen gerade als fehlerhaft, überholt und unzuverlässig erwiesen hatte, begann sich wieder mehr Platz in unseren Hirnen zu verschaffen und damit das soeben Erkannte schon wieder zu verdrängen. Die Ausstiegszeit war aber noch viel zu kurz, um sich von schlechten Gewohnheiten zu verabschieden, sich ...

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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 24
von Jo Fabian