Jo Fabian
Alles bleibt in dem Zustand, in dem sich nichts befand, bevor die Corona-Krise eine Korrektur unserer Umweltwahrnehmung vornahm. So paradox es klingen mag, man muss die Katastrophen begrüßen, die uns zwingen, neu auf das Eingefahrene zu schauen. Ohne Anlass fällt es uns besonders schwer, die Strukturen, in denen wir leben und arbeiten, zu verändern.
Aus der Angst um unsere Gesundheit wurden binnen kürzester Zeit ein Sonderurlaub und dann ein Gefängnis. Der Stillstand der Welt, der so dringend nottat, um uns kurzzeitig die Augen zu öffnen, veränderte sein Gesicht.
Eigentlich gut dazu geeignet, sich zu ordnen, die Gedanken zu bündeln, zu überprüfen, was wir eigentlich tun und wie sinnvoll es ist, wurde diese Auszeit schon wieder verschwendet. Die Räder sollten so schnell wie möglich wieder rollen, die Bänder wieder anlaufen, und die Sehnsucht nach einer Normalität, die sich in vielen Bereichen gerade als fehlerhaft, überholt und unzuverlässig erwiesen hatte, begann sich wieder mehr Platz in unseren Hirnen zu verschaffen und damit das soeben Erkannte schon wieder zu verdrängen. Die Ausstiegszeit war aber noch viel zu kurz, um sich von schlechten Gewohnheiten zu verabschieden, sich ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 24
von Jo Fabian
Es ist fast 20 Jahre her, seit Alina Cojocaru bei der «Nijinsky-Gala 2001» in Hamburg nicht nur den Pas de deux aus «Blumenfest in Genzano», sondern auch den zweiten Akt aus «Giselle» mit Ethan Stiefel tanzte. Obwohl ich Alina zuvor als faszinierende Tänzerin in London erlebt hatte, wurde dieser Gala-Auftritt in Hamburg für mich zu einer Offenbarung. Ihre...
Tanzen, singen und sprechen mit Mundschutz und sechs Metern Abstand – wie soll das gehen? Wenn wir dabei nicht ersticken oder zumindest kollabieren, wird uns natürlich schon irgendwas einfallen – denn wir sind ja immer kreativ. Oder? Aber Spaß oder Sinn macht das nicht. Wie etwas darstellen ohne Nähe, ohne Raum, ohne (Gesichts-)Ausdruck und dann auch noch vor fast...
Die französischen Opern, allen voran die Opéra National de Paris, wurden bestreikt. Teilweise wochenlang, mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Bilanz. Es ging unter anderem um Sonderregelungen bei der Rentenreform, die nicht zuletzt auch die Pariser Tänzerinnen und Tänzer ein paar Privilegien kosten sollten. Nicht alle Welt hatte Verständnis für ihre...
