Jacopo Godani über Forsythe

Tanz - Logo

Das Erste, was ich begriff, als ich mit William Forsythe zu arbeiten begann, war: Das, was alle als Tanzstil bezeichneten, war eigentlich eine philosophische Strömung. Unter Forsythes Leitung und umgeben von den sagenhaften Künstlerpersönlichkeiten am Ballett Frankfurt hatte ich das Privileg, lernen zu dürfen, «wie man wirklich lernt», wenn es um Themen wie «Leben» oder «Kreativität» geht.

Ich habe mich immer gefragt, welche Elemente es sind, die in einem von linearen Strukturprinzipien beherrschten System jenen katalytischen Prozess auslösen, der ein solches Genie hervorzubringen vermag – unbehelligt von allen Grenzen und methodischen Beschränkungen und imstande, frei, spontan und alternativ zu denken. Einen Menschen, der über die Inhalte seines eigenen Verstandes nachdenkt anstatt über die Elemente in seiner äußeren Umgebung.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich an der Seite von William Forsythe einen derart exemplarischen alternativen Lifestyle kennenlernen durfte. Es waren großartige Jahre, die mich zu dem Menschen und Künstler gemacht haben, der ich heute bin.

Jacopo Godani, Tänzer bei Forsythe von 1991 bis 2000, leitet heute die Dresden Frankfurt Dance Company

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 25
von

Weitere Beiträge
Gefroren

Wie sieht ein Algorithmus den menschlichen Körper? Ein vielgestaltiges künstlerisches Experiment mit dem «Bin-Packing Algorithm» von Coralie Vogelaar stellt uns einige überraschende Ideen vor. «Bin-packing» oder das «Behälterproblem» ist ein kombinatorisches Optimierungsproblem. Wir kennen es vom Packen unserer Koffer oder Umzugskartons. Für die Transportindustrie...

Christopher Roman über Forsythe

William Forsythe hat mein Leben verändert, so einfach ist das. Und bevor jetzt gleich wieder die üblichen Schlagworte wie «Guru» und «Jünger» fallen: Ich habe daran meinen aktiven Anteil.

Genau deshalb hat meine Beziehung zu Bill bis heute gehalten, und sie festigt sich mit jedem Jahr. Bill hat immer auf echter Zusammenarbeit bestanden und meine ganz persönlichen...

Seid verschlungen, Millionen

Die NS-Propaganda setzte auf Massenevents und knüpfte dabei ästhetisch auch an Errungenschaften der Moderne an. Ein Beispiel ist der Regisseur Hanns Niedecken-Gebhard, der 1936 die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Berlin inszenierte. Der prominente Theatermann machte Karriere im NS-Regime, wurde später Dozent der Theaterwissenschaft an der Universität...