Seid verschlungen, Millionen
Die NS-Propaganda setzte auf Massenevents und knüpfte dabei ästhetisch auch an Errungenschaften der Moderne an. Ein Beispiel ist der Regisseur Hanns Niedecken-Gebhard, der 1936 die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Berlin inszenierte. Der prominente Theatermann machte Karriere im NS-Regime, wurde später Dozent der Theaterwissenschaft an der Universität Göttingen – und hatte bereits in den 1920er-Jahren mit Koryphäen des Ausdruckstanzes gearbeitet, etwa mit Harald Kreutzberg oder Mary Wigman.
Impulse bezog er zudem von Bühnenneuerern wie Adolphe Appia oder dem Rhythmuspionier Émile Jaques-Dalcroze. Selbst ein choreografischer Freigeist wie Rudolf von Laban, der einst die chorischen Experimente auf dem Monte Verità angeleitet hatte, war 1936 darauf aus, den Auftakt im Berliner Olympiastadion in Szene zu setzen. Wie lassen sich solche Bezüge erklären?
Evelyn Annuß, Sie sind mit der unlängst publizierten Studie «Volksschule des Theaters. Nationalsozialistische Massenspiele» habilitiert worden. Wie sind die Verbindungen zwischen historischer Avantgarde – speziell im Tanzfeld – und nationalsozialistischer Formgestaltung beschaffen? Unsere Vorstellung vom Nazi-Spektakel als ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 50
von Stefan Hölscher
Entdeckung: Bauhaus Ballet
Die üblichen Stehaufmännchen finden sich nicht in dem Buch. Auch sind es im «Bauhaus Ballet» erst einmal ein paar Tänzerinnen, die sich in Positur stellen. Aber ihre Röcke, ganz offensichtlich vom «Triadischen Ballett» eines Oskar Schlemmer inspiriert, lassen sich auf verblüffende Weise drehen. «Twist!», «Turn!», «Twirl!», «Whirl!» heißt...
Eine spontane Zusammenkunft von Musikern und Tänzern, typischerweise in einem Pub: Das meint man traditionell in Irland, wenn von einer «Session» die Rede ist. Geprobt ist da gar nichts; wer die jeweilige Melodie kennt, musiziert oder tanzt mit, wer sie nicht kennt, klinkt sich so lange aus. Mit ihrer Titelwahl spielen die Tänzer-Choreografen Colin Dunne und Sidi...
Für mich ist Billy Forsythe der ultimative Klassiker. Ein wahrer Erbe von Petipa und Balanchine. Sein Verständnis der reinen klassischen Linie, ihrer Wurzeln, Strukturen und ihres Vokabulars sowie dessen, was «klassisch» wirklich bedeutet – all das hat ihm die Freiheit gegeben, die Regeln zu brechen und diese Sprache weiterzutreiben als irgendwer anders. Ich bin...
