Im Krieg tanzen wir nicht

Erniedrigung, Verlust, Trauer, Verzweiflung und Flucht: Wie sie die Invasion erlebte, hat die ukrainische Künstlerin und Tanzjournalistin Polina Bulat aufgeschrieben

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Am 24. Februar weckte mich ein Anruf meines Vaters:

Was machst du? Ich schlafe natürlich. Wieso? Putin hat den Krieg erklärt. Ich setze mich im Bett auf.

Scheiße. Zeitgleich ruft auf der anderen Leitung meine Freundin an:

Weißt du’s schon? Ja. Danke, dass du anrufst. Im Bett sitzend, blicke ich aus dem Fenster auf den eintönig grauen Morgenhimmel und lausche. Ich wohne im obersten Stock. Ein plötzlicher Raketenangriff? Das bekomme ich als Erste ab. Ich muss meinen Rucksack packen.

Nachrichten im Messenger.

In der Nähe des Hauses meiner besten Freunde am anderen Ende von Kiew gab es zwei Explosionen der Luftabwehr. Die ganze Familie ist schon angezogen und wartet auf ein Auto, das sie aus der Stadt bringen soll. Sechs Uhr morgens: «Wir kommen um 14 Uhr zurück Sachen holen, nehmen dich mit.» Natürlich kam niemand mehr zurück nach Kiew.

Alle meine Vorstellungen vom Krieg hatte ich bisher aus Filmen, Büchern und den kargen Erinnerungen meiner Oma an Uropa, der im Zweiten Weltkrieg an der Front gekämpft hatte. Seine Tochter, meine Oma mütterlicherseits, hat den Afghanistan-Krieg mitgemacht, kann aber immer noch nicht darüber sprechen. Ich weiß noch, wie ich als Kind in einem ...

Polina Bulat gehört inzwischen dem Team von praetorianprojects.com an, das in Zusammenarbeit mit dem Dachverband Tanz Deutschland und der Bundesdeutschen Ballett-und Tanztheaterdirektor*innen-Konferenz Unterstützung für geflüchtete Tänzer*innen organisiert. Info: www.help-dance.org Polina Bulat auf Instagram: polly_na

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Tanz Mai 2022
Rubrik: Ukraine-Krieg, Seite 8
von Polina Bulat

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