Ich habe Stallgeruch
Wir treffen uns in Köln in einem Künstler-Café. Gert Weigelt hat einen Tisch gleich unter einer riesigen Ausstellungswand erobert. Nach und nach zieht er Kataloge aus seiner Ledertasche. Der kleine Kaffeehaustisch wird immer kleiner. Seine Fotografien, alle in Schwarz-weiß, kontrastieren offensiv und provozierend mit den Bildern an der Wand über uns. Die Weigelt keines Blickes würdigt.
Gert Weigelt, die Zeit, in der all die hier in den Katalogen abgebildeten Arbeiten entstanden sind, die 1990er-Jahre – das war, verglichen mit heute, offenbar eine eher schamlose und sehr körperbegeisterte Ära. Schamlos würde ich nicht sagen. Wir hatten schon so unsere moralischen Grenzen. Gerade auch in der Fotografie. Damals, als ich noch zur Schule ging, sah ich die Fotoarbeiten von Siegfried Enkelmann, der zu seiner Zeit die Tanzszene fotografisch beherrschte. Wer im Tanz etwas zu sagen hatte, kam in sein Atelier und ließ sich von ihm fotografieren. Diese Fotos haben mich immer angetörnt und meinen Wunsch, Tänzer zu werden, sehr befeuert. Seine Fotos zeigten die Noblesse des Tanzes, sie waren klassisch.
Diese Fotografien hier sind es irgendwie auch ... Klassisch? Dass man das heute so sieht, ...
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Tanz Oktober 2019
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Arnd Wesemann
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