I am what I am
Es ist elf Uhr vormittags, Bühnenpforte Schillertheater, Ersatzspielstätte der Komischen Oper Berlin. Ein junger Mann, lange, lockige, schwarze Haare, mit einem belegten Brötchen und einem Becher Kaffee in der Hand steht im Treppenhaus und begrüßt die Vorbeikommenden mit ein paar netten Worten, mit Küsschen. Der Venezolaner Daniel Daniela Ojeda Yrureta fühlt sich hier sichtlich zuhause. Auch wenn nicht alle Rollen, die er als freischaffender Tänzer am Haus angeboten bekommt, so aufregend sind wie die in dem Musicalklassiker «La Cage aux Folles».
Als Jacob/Ramona kann er seinem Affen so richtig Zucker geben. Er stolziert in schwindelerregend hohen rosafarbenen Stiefeletten über ein Sofa (Penissofa!), präsentiert mit viel Schwung im Unterleib seine schönen Beine, funkt laut parlierend als Butler, nein, als Kammerzofe der Dragqueen Albin/Zaza immerzu dazwischen – ein schillernder Paradiesvogel in der knallbunten, mitreißenden Inszenierung von Barrie Kosky. Wer käme bei seiner atemberaubenden Performance auf die Idee, dass hier ein klassischer Balletttänzer über die Bühne wirbelt? So temperamentvoll wie auf der Bühne ist Daniel Daniela Ojeda Yrureta auch im Gespräch – und er liebt es, ...
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Tanz März 2025
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Claudia Henne
Pressekonferenz des Staatsballetts in der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Es ist Frühjahr 2024, draußen scheint die Sonne, drinnen sitzt Staatsballett-Intendant Christian Spuck und macht ein sorgenvolles Gesicht. Dabei jagt, seit er vor einem dreiviertel Jahr sein Amt angetreten hat, eine Erfolgsmeldung die nächste. Jede Premiere der Spielzeit wurde von...
Wer in dem irischen Dorf Lisagernal nachts stocktrunken nach Hause will, den holt das tiefrote Schwein ab. Und los geht es, auf einen wilden Ritt über den Fluss und durch den Wald. Es ist ein schwindelerregender Ausflug, bei dem man so lange nichts zu befürchten hat, wie man auf dem Schweinerücken brav den Mund hält. Wer aber aufmuckt, jauchzt oder Schreie anderer...
Wenn die Gegenwart schwer zu ertragen ist und die Zukunft dunkel scheint, zieht Inbal Pinto eine rosarote Brille an. Das sagt sie im Programmheft zu «Salty Pink», kreiert mit dem Tanzensemble des Luzerner Theaters. Und gleicht damit all jenen Menschen, die sich, oft auch wider besseres Wissen, dem Schwarzsehen verweigern – um Gutes zu schaffen. In Zeiten wie den...
