Schwein gehabt

Oona Doherty vereint in «Specky Clark» Familiensaga mit gälischer Mythologie. Und lässt tanzen, was ihre Vorfahren noch schlachten mussten

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Wer in dem irischen Dorf Lisagernal nachts stocktrunken nach Hause will, den holt das tiefrote Schwein ab. Und los geht es, auf einen wilden Ritt über den Fluss und durch den Wald. Es ist ein schwindelerregender Ausflug, bei dem man so lange nichts zu befürchten hat, wie man auf dem Schweinerücken brav den Mund hält. Wer aber aufmuckt, jauchzt oder Schreie anderer Art ausstößt wird abgeworfen, in einen Abgrund geschleudert und nie wieder gesehen. Die Konsequenz: «Der kleine Paddy hat immer nach seinem Vater gesucht und ihn nie wiedergefunden.

Seither hasst er Schweine aller Art und ist ein schweigsamer Typ.»

Diese Episode ist nicht die einzige gälische Legende, die Oona Doherty in «Specky Clark» überhöht und aufbereitet. Und erst recht nicht die einzige Erwähnung der grunzenden Vierbeiner in diesem autofiktionellen Tanztheater. Denn bei aller Fantasie: Es geht um Dohertys Familiengeschichte. Und in dieser spielen die Borstenviecher eine zentrale Rolle. Ausgangspunkt ist der Urgroßvater der Choreografin, der in Glasgow zur Welt kam, und als Kind allein auf ein Boot nach Belfast gesetzt wurde. Wo der Doherty-Sprössling bei zwei Tanten der Familie Clark Aufnahme fand – von da an ...

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Tanz März 2025
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Thomas Hahn

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