Hülle ohne Fülle

Die Shirt-Art von Isak Immanuel

Tanz - Logo

Wann immer der kalifornische Fotograf und Tänzer isak immanuel eine fremde Stadt besucht, hat er den Drang, sich in ihr zu verlieren. So findet er das Verlorene. Menschenleere Kleider unter Brücken, verlassene Hemden in verlassenen Häusern. Er nimmt diese Stücke von Menschen ohne Namen, um sie als Kostüme in seinen Tanzperformances zu nutzen. Eine verlorene zweite Haut. In Prag damals fand er eine Hose, nahm sie in einer Plastiktüte mit und wurde knapp einen Kilometer weiter von einer Tschechin aufgehalten. Es sei die Hose ihres vermissten Sohns, weinte sie.

Damals war Isak Immanuel als Fotograf auf den Spuren seines tschechischen Kollegen Jan Saudek. Und fand die Spur des Todes, ebenso in Berlin, Paris, Seoul und Taipei. Überall gab es herrenlose Kleider, auf ominöse Weise von ihren Trägern getrennt. Und überrascht stellte er fest: Das Markenschild entsprach nie dem Land, in dem er die Kleidung fand. Als hätte sie sich selbstständig gemacht, als hätte nicht der Träger, sondern das Hemd oder die Hose sich aus dem Staub gemacht. floorofsky.org
Artist’s statement: see ballet-tanz.de

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Tanz Januar 2009
Rubrik: Jenseits, Seite 74
von

Vergriffen
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