Gregor Zöllig «Ein Sommernachtstraum»

Bielefeld

Tanz - Logo

Das Ballett steht bei Shakespeare Schlange. Tragödie oder Komödie, egal. Shakespeares Kunst ist immer klar-verunklarte Personenkonstellation. Freund und Verräter – ein Paar. Herrscher und Narr – dasselbe. Liebe und Tod – aus dem einen folgt das andere. Shakespeares Irrungen und Wirrungen verlieren im Ballett den Wortwitz, natürlich. Werden flach wie eine Folie. Im Tanz ist Shakespeare darum nur noch vermeintlicher Konflikt. Den kann man auch ganz vermeiden, ihn tröstend mit Minimal Music, neoklassischem Synthesizer und Ballade zudecken.

Wie Gregor Zöllig das jetzt in seinem liebestollen «Sommernachtstraum» getan hat. Man kann vom Traum von freier Liebe bei Shakespeare unmittelbar auf den Traum schließen, dass freie Liebe nur umso festere Bindung sucht. Sein Bild: ein fünfzigster Hochzeitstag. Die Goldene. Bürgerliche Trautsamkeit in einem retro-chicen Wohnzimmer. Das echte Ehepaar Dorothee und Martin Uffmann als Hippolyta und Theseus laden ihre Kinder und Kindeskinder ein. Die kriechen durch Wandschränke; die Familientafel ist eine Wippe; Auftritt von lauter Verwandten und darum Gleichen aus dem Wandschrank – Zettel, Puck, Oberon (den denkbar Ungleichsten bei Shakespeare). Das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2009
Rubrik: Der Kalender, Seite 36
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Caroline Simon: «Stück»

Die W-Fragen: Was will ich und was ist wirklich? Caroline Simon hat bei großen Fragen eine besondere Bühnenpräsenz, etwas sehr Deutliches, Undurchsichtiges, Unflatterhaftes. Diese Gründlichkeit kennt dazu auch ein «Ach was», die leicht ironische Distanz. Die gebürtige Brüsselerin, Jahrgang 1977, bei P.A.R.T.S. und in Rotterdam ausgebildet, lebt seit 2001 in Köln....

Palastrevolution

«Wer eine Zukunft haben will», sagt Berndt Schmidt, «muss erst einmal in der Gegenwart ankommen». Als der Intendant des Berliner Friedrichstadtpalasts im November 2007 sein Amt antrat, agierte das Ensemble – ein Ballett mit weithin berühmter Girlreihe und Live-Orchester – oft vor schwach besuchtem Haus. Innerhalb weniger Jahre hatte sich die Auslastung der knapp...

Brief aus Kolkata

Das Rotlicht-Viertel Kalighat befindet sich mitten in der 15-Millionen-Stadt Kolkata im indischen Bundesstaat Bengalen. Es ist ein Slum, in dem etwa eintausend Frauen mit ihren Kindern zusammenleben. Man sieht die Kinder auf den Dächern. Vergnügt lassen sie Drachen steigen. Die Realität ist: Ihre Mütter liegen unterdessen in den armseligen Hütten mit einem Freier...