Homan Sharifi und Nasser Martin-Gousset in Seine-Saint-Denis
Es kann tragisch sein oder vor Leichtigkeit blitzen. Das autobiografisch-nostalgische Herrensolo fand gleich zwei prominente Vertreter auf den Rencontres Chorégraphiques Internationales de Seine-Saint-Denis. Anita Mathieu hatte ein ironisches Händchen, als sie auf Hooman Sharifi die Enthüllungen des Nasser Martin-Gousset folgen ließ. Wiegen die Zweifel eines korpulenten Emigranten schwerer als die Erinnerungen eines drahtigen Pop-Fans?
Sharifi, der in Norwegen lebende Iraner, verweist auf die Verantwortung des Kollektivs: «We Failed To Hold This Reality In Mind».
Martin-Gousset sublimiert in «pop LIFE» seine ästhetische Jugendsünde. Musiken aller Horizonte schnitt er auf Kassetten zusammen und erkannte: «Die Übergänge sind alles!» Sharifi, Doppelzentner im Exil, hasst Übergänge und dringt vor bis ins Intimste, verausgabt sich wie ein aufgezogener Schattenboxer, um dann lange zu verpusten, wobei ihn die ganze Abwesenheit seiner Heimat zu lähmen scheint. Ob in Theater, Video-Art oder Tanz, es gibt eine iranische Avantgarde, die der westlichen hinterherhechelt, als säße ihr der Zerberus im Nacken. Dabei geraten sie manchmal sogar auf eine Überholspur, die bis an den Abgrund führt.
Sh ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die überwiegende Mehrzahl der freien Choreografen mit eigenen Kompanien, die ihre Werke im Rahmen von Gastspielen zeigen, erhalten keinerlei Tantiemen. Im Gegensatz zu Frankreich, wo die SACD solche Rechte en bloc wahrnimmt, müssen Tanzschöpfer in Deutschland ihre Rechte bei den Bühnen und Verwertungsgesellschaften mühsam einzeln durchdrücken, ohne sich auf die...
Der Versuch Martin Stiefermanns, den lieben Gott zu spielen mit seiner Tanzkompanie Oldenburg und Kollegen aus New York, Luzern, Osnabrück, Groningen, Kuba und Mannheim, um den Dekalog in tanztheatralischen Essays zu kommentieren, wurde vom Allmächtigen gnädig geduldet. Das Projekt erwies sich als geglückter Schöpfungsakt. Was in einer stilistischen Melange...
Francesca Spinazzi, nach fünf Jahren nehmen Sie Abschied als Tanzkuratorin des Deutschen Nationaltheaters. Wie hat Weimar den Verlust eines eigenen Tanzensembles verkraftet? Widerstand habe ich von Seiten der Rezensenten gespürt, weil sie mit Recht den Verlust des Ensembles beklagt haben....
