Brief aus Ramallah

Arnd Wesemann über den Tanz hinter Mauern

Tanz - Logo

Im Juli tritt der Sinn der Mauer zwischen ­Israel und dem Westjordanland in Kraft. Bis ges­tern galt: Ein in Jerusalem ansässiger Palästinenser konnte nach Ramallah reisen, wenn er den richtigen Pass hatte. Ein in Ramallah lebender Palästinenser hatte keine Chance, mit dem falschen Pass je die nur 16 Kilometer entfernte Heilige Stadt zu sehen. Nun gilt gleiches Recht für alle. Palästinenser können sich nicht mehr bewegen. Palästina ist dreigeteilt: in Ostjerusalem, Gaza und Westjordanland. Mit der Mauer beginnt der große Landtausch.

Israelische Siedlungen gegen Häuser, die für Palästinenser so unerreichbar werden wie die Wasserversorgung. Zwar fallen die Straßensperren innerhalb des Westjordanlands, nicht aber die Grenzübergänge an der Mauer, etwa beim Flüchtlingslager Qalandya im Süden Ramallahs. Wer aus Jerusalem kommt, überquerte hier die Grenze. Bis gestern. Die Fahrer der Kleinbusse auf der anderen Seite riefen «Ramallah! Ramallah! Ramallah!». So nannte die britische Dokumentarfilmerin Sophie Fiennes ihren Beitrag zum 25-jährigen Bestehen der bekanntesten palästinensischen Tanzkompanie El-Funoun («die Kunst»): Amateure, die nach Feierabend im Popular Art Centre von ­Ramallah ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2005
Rubrik: Ein Brief, Seite 47
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Elfen zum Verlieben

Vermutlich wird kein anderes Tanzereignis im Jahr 2005 ähnlich viele Fans und Fachleute anlocken wie das 3. Bournonville-Festival des Königlich Dänischen Balletts. Kein Presseorgan von einiger Bedeutung zwischen Amerika und Japan, das keinen Berichterstatter nach Kopenhagen geschickt hätte; alte Freunde und Bekannte in jeder Parkettreihe. In den Auf­führungspausen...

Ohne Atem

Jérôme Bel, Choreograf und Tanzdenker, entdeckte bei einem Aufenthalt in Thailand Pichet Klunchun. Jetzt präsentiert er sich mit ihm auf einschlägigen Festivals wie demnächst in Montpellier und Salzburg, um mit ihm über die Kunst zu reden, wie er es vorher mit einem niederländischen Theatermann und einem italienischen Musiker tat. Bei seiner eigenen Vorstellung...

Memoiren

Mit acht, 1929, in Stettin eine kleine Ballettratte, mit neunzehn Tänzerin am Staatstheater Weimar, die unter anderem auch im KZ Buchenwald auftrat, vor Kriegsende Hilfsarbeiterin in der Munitionsfabrik, dann in die Sowjetunion verschleppt, von dort aus nach Ungarn verschlagen und als Lehrerin im böhmischen Eger zurück zum Ballett gekommen, 1963 schließlich nach...