Hans Henning Paar: «Copy Coppelia»
Bei aller tänzerischer Professionalität ist eins besonders schade: Die «Copy Coppelia» ist kein bisschen unheimlich. Dabei kopiert sie nicht nur die klassische «Coppelia» nicht; sie verschenkt die Gelegenheit, quasi direkt aus der Quelle zu schöpfen. E. T. A. Hoffmanns «Sandmann», die Vorlage beider Ballette, ist seit Freud Ausdruck des Unheimlichen schlechthin. Wär’s atmosphärisch gelungen, wär die verschwommene Handlung zu verschmerzen.
Ist einer Choreograf, denkt er natürlich: bewegen, das kann ich. Aber hüte er sich davor zu meinen, Bedeutung stelle sich von allein ein.
Hans Henning Paar will im Gärtnerplatztheater eine Geschichte erzählen. Im Tanz, ausschließlicher als in der Literatur, braucht er dazu fesselnde Charaktere. Handlung vermittelt sich schwerfällig über Bewegung. Aber Persönlichkeit und Beziehungen lassen sich gut entwickeln. Das ist der Knackpunkt: Man muss sie eben entwickeln. Handlungsballett ist auch Schauspiel. Bloß wenn’s dort nicht so brillant gelingt, hilft zur Orientierung der Text. Oft bewirkt der, dass die Zuschauer zwar keine Ahnung haben, was gespielt wird, sie merken das aber nicht. Dem Tanz sagen sie schnell nach – und manchmal haben sie Recht –, er ...
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Über das Lebensende hinaus hält der Mensch noch an seiner ihm liebsten Schwäche fest: an der Selbsttäuschung, er sei unersetzbar. Mit «Final Fiction» ist Jan Pusch ein großer Tanzessay gelungen. Im zweiten Jahr als Choreographer in residence bei der Nordwest Tanzcompagnie Oldenburg brachte er dieses intime Stück in der Alten Exerzierhalle heraus.
Der Anfang...
Zwei nichtssagende Männer vor kahlen Wänden der Probebühne in statischem Licht und lastender Stille. Sie stehen unbeteiligt herum, setzen sich auf ein Päuschen. Etwas erholt, flaniert das sich genügende Duo auch mal quer durch den Raum. Oder präsentiert sich zurückhaltend narzisstisch mit offenem Hemd, dem Muskel-Spiel von Bauch und Rücken, den Blicken der...
Er ist klein und gelb und ernährt sich von Hirnwellenenergie. Monica Antezana ist alles andere als klein und gelb wie der berühmte Babelfisch aus dem «Hitchhiker’s Guide to the Galaxy» von Douglas Adams. Die gebürtige Bolivianerin, Jahrgang 1977, ist groß und dunkelhaarig und ließ nach dem Studium in Rotterdam und Hamburg ihre Hirnwellen anregen von der Frage nach...
