Hans Henning Paar: «Copy Coppelia»
Bei aller tänzerischer Professionalität ist eins besonders schade: Die «Copy Coppelia» ist kein bisschen unheimlich. Dabei kopiert sie nicht nur die klassische «Coppelia» nicht; sie verschenkt die Gelegenheit, quasi direkt aus der Quelle zu schöpfen. E. T. A. Hoffmanns «Sandmann», die Vorlage beider Ballette, ist seit Freud Ausdruck des Unheimlichen schlechthin. Wär’s atmosphärisch gelungen, wär die verschwommene Handlung zu verschmerzen.
Ist einer Choreograf, denkt er natürlich: bewegen, das kann ich. Aber hüte er sich davor zu meinen, Bedeutung stelle sich von allein ein.
Hans Henning Paar will im Gärtnerplatztheater eine Geschichte erzählen. Im Tanz, ausschließlicher als in der Literatur, braucht er dazu fesselnde Charaktere. Handlung vermittelt sich schwerfällig über Bewegung. Aber Persönlichkeit und Beziehungen lassen sich gut entwickeln. Das ist der Knackpunkt: Man muss sie eben entwickeln. Handlungsballett ist auch Schauspiel. Bloß wenn’s dort nicht so brillant gelingt, hilft zur Orientierung der Text. Oft bewirkt der, dass die Zuschauer zwar keine Ahnung haben, was gespielt wird, sie merken das aber nicht. Dem Tanz sagen sie schnell nach – und manchmal haben sie Recht –, er ...
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