Jan Pusch: «Final Fiction»

Tanz - Logo

Über das Lebensende hinaus hält der Mensch noch an seiner ihm liebsten Schwäche fest: an der Selbsttäuschung, er sei unersetzbar. Mit «Final Fiction» ist Jan Pusch ein großer Tanzessay gelungen. Im zweiten Jahr als Choreographer in residence bei der Nordwest Tanzcompagnie Oldenburg brachte er dieses intime Stück in der Alten Exerzierhalle heraus.
Der Anfang thematisiert das Ende: Ein großspuriger Auftritt zu Frank Sinatras «This Is My Way», Verbeugung, Exit. In einer glamourösen Sekundenshow sind Abschiednehmen und Tod sarkastisch zusammengefasst.

Das Leben ist eitler Schein, wir sind bloße Spieler, die sich wie bei Shakespeare nur einen Moment lang auf der Bühne spreizen dürfen. Die weißen Paravents zu beiden Seiten der Bühne erweisen sich als Tische, über die sich eifrig kritzelnd acht Tänzer beugen. Vermächtnis oder letzte Worte?
Puschs Bilder sind doppeldeutig, bieten Freiraum für Assoziationen. Auch seine Kompositionstechniken sind feiner geworden. Raffiniert behandelt er Spiegelung, Variation und Wiederholung der Phrasen in den Soli und Duetten, verleiht zentralen Motiven vielfarbige Brechung. Ein Tänzer vergewissert sich noch einmal seines Körpers, wehrt sich gegen den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2009
Rubrik: Der Kalender, Seite 44
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Matteo Levaggi: «Primo Toccare»

Der Titel des neuen Balletts von Matteo Levaggi klingt subtil. «Erst berühren», so die wörtliche Übersetzung, könnte ein Statement der Werbung sein oder, nicht weit davon entfernt, eine sexuelle Aufforderung. Das Werk für das Balletto Teatro di Torino, das bei der Tanzbiennale in Lyon uraufgeführt wurde, ist vor allem: purer Tanz. Mehrere Glassarkophage stehen in...

Feigheit vor dem Nachwuchs

Wenn man vom «Stuttgarter Ballettwunder» spricht, wird reflexhaft John Cranko erinnert. Gleich nach dem Reflex denkt man an diese sonderbar brennende Bürgerbewegung, die mit gleich zwei Fördervereinen das Ballett der Stuttgarter feiert. Zwei Freundeskreise für eine Kompanie, wo gibt’s denn so was? Beide, die John-Cranko-Gesellschaft und die Noverre-Gesellschaft,...

Mechanisches Ballett

Das «Triadische Ballett» des damals 24-jährigen Oskar Schlemmer, uraufgeführt am 30. September 1922 am Württembergischen Landestheater in Stuttgart, war ein Höhepunkt des abstrakten Balletts. Keine getanzte Handlung, sondern ein «freies Spiel» der optischen Komposition. Statt Menschelndem tanzte Pappmaschee. Die Tutus bestanden aus bunten Holzringen. Die Arme waren...