Hannover: Jörg Mannes «Marilyn»
Sie waren Rivalinnen, beide von Fotografen geadelt, beide von Paparazzi gejagt: die Präsidentengattin Jackie Kennedy und das Präsidentenliebchen Marilyn Monroe. Ganz schön gewagt, dass Hannovers Ballettchef Jörg Mannes nun ausgerechnet die Superblondine aus Hollywood zur Tanzgöttin befördern will und dabei auch ihre Gegenspielerin ins Rampenlicht rückt. Allein: Das Risiko lohnt, der Plan geht auf.
Hüftschwung links, Hüftschwung rechts – das schwarze Spitzenkleidchen flattert mit, bei jedem Schritt.
Zielstrebig steuert die Circe auf zwei Verehrer im Anzug zu, lockt, betört, umgarnt sie – bis sie am erotischen Gängelband durch die Arena der Verführung stolpern. Die Frau weiß um ihre Wirkung, und sie weiß, was sie will: die mächtigsten Typen erobern. Was ein Kinderspiel ist, denn die Kerle fliegen auf sie – und lassen sie fliegen: durch die Luft, immer vom einen zum anderen, wenn sie nicht gerade wie besessen an ihr herumfingern.
Die Katastrophe ereignet sich schleichend, ohne erkennbaren Auslöser. Irgendwann wirkt die Domina wie betäubt, wie besoffen. Sie kann gerade noch die Augen auf und die Arme hochreißen. Peinlicher Auftritt, den die Herren mit Brachialgezerre zu beenden ...
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Tanz Juni 2018
Rubrik: Kritik 6/18, Seite 42
von Dorion Weickmann
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