Geschwätzige Beine

Rodolpho Leoni: «Speak» in Düsseldorf

Tanz - Logo

Dass der Leib das Sprachorgan der Seele ist, wissen wir. Ein ganz körperliches Kommunikationssystem, das weit über die Gebärdensprache hinausgeht, hat nun Rodolpho Leoni ersonnen. Als es noch im ­Kon­zept steckte und den Arbeitstitel «Plan­­sprache» trug, brachte es ihm den Deutschen Produzentenpreis für Choreografie. Zur Uraufführung im Düsseldorfer tanzhaus nrw heißt der neue Leoni nun «Speak» und gibt sich so redselig, wie jemand, der nichts zu sagen hat.
Leoni ist ein tanzästhetischer Perfektionist. Die Ausstattung hat ihn nie wirklich interessiert.

Und die drei gewellten Holzwände von Anke Schinka wirken so halbherzig wie die unscheinbaren Alltagskostüme der Künstler. Ausgefeilt bis ins feinste Detail dagegen ist die Choreografie. Fünf Tänzerinnen und einen Tänzer schickt Leoni als zeitgenössische Kommunikationsinstrumente ins Gefecht. Er lässt Etsuko Akiya, Christine Bai, Laila ­Clematide, I-Fen Lin, Resurección Rivera Rondón und Lotte Rudhart Körpermonologe, -dialoge, ja ganze Körperkonferenzen abhalten. Jenseits jeder konkreten Handlung lassen sich Mini-Dramen interpretieren, Kurzportraits imaginieren. Die anfangs lautmalerische, später jazzige Komposition Philipp Ludwig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2005
Rubrik: On Stage, Seite 42
von Bettina Trouwborst

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kinder retten Kultursäckel

Nach «Rhythm is It!» stürmt nun der zweite Hit die Kinos, «Mad Hot Ballroom». Kein klassischer «Sacre», sondern Sport. Rumba, Tango, Swing und Foxtrott stehen auf dem Stundenplan der weißen, dominikanischen und asiatischen Einwanderer, die in New York säuberlich getrennt in Tribeca, Washington Heights und in Brooklyn wohnen. Die Regisseurin Marilyn Agrelo zeigt,...

Fernando Bujones ist tot

Er war ein Latin Lover, wie ihn sich eine Julia wünscht, und ein begnadeter Ballerino obendrein, für den das Tanzen eine Existenzfrage war. Fernando Bujones, 1955 in Miami als Sohn kubanischer Eltern geboren, tanzte so schwerelos und mit einer schier unfassbaren Eleganz, dass man seinem scheinbar so selbstverliebten Statement «Baryshnikov hat den Ruhm, ich das...

Ein Duft von Blumen

Es grünt so grün, wenn Malakhovs Blumen blühen. Rosen, wohin man blickt. Im Entree der Deutschen Oper, an den Aufgängen, sogar im Foyer. Auch auf der Bühne, die Valery Kungurov in einen französischen Park verwandelt hat. «Gärten sind magische Orte», lässt sich der «leidenschaftliche Blumenliebhaber» Vladimir Malakhov im Programmheft zitieren, und wie im Märchen...