Gegendruck
Joy Alpuerto Ritter, wir sind hier auf dem Tempelhofer Feld mitten in Berlin. Ich fand das tiefe Ausatmen eben herrlich, als wir beide aus der engen Herrfurthstraße in diese Weite hinaustraten.
So ein unverstellter Horizont. Das ist jedes Mal ein ganz unerwartetes Gefühl, obwohl ich hier schon so oft gewesen bin. Man gewöhnt sich derart schnell an die Berliner Enge, dass mich die freie Landschaft immer wieder überrascht. Drehen wir eine Runde um den alten Taxiway?
Gerne.
Heißt das, öfter mal die Perspektive wechseln?
Als Tänzerin? Unbedingt. Ich bin halt neugierig. Bei mir hat sich die Lust am Perspektivwechsel einfach festgesetzt. Erst Folk Dance, dann Ballett, dann zeitgenössisch, Hip-Hop. Egal, ob das eine Tanztechnik oder eine ganze Kultur war, ich habe mich da immer richtig reingeworfen. Man lernt ja physisch, man lernt Technisches, und es hat auch etwas Menschliches, denn man tanzt eben nicht allein. Ich habe immer neuen Input gesucht. Und habe mich jedes Mal auch nur auf einen Stil fokussiert und versucht, ihn zu lernen und zu mastern.
Lernen heißt, sich etwas anzueignen, etwas Positives. Heute assoziieren wir beim Wort Aneignung eher Raubkunst, eine Übergriffigkeit ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 21
von Arnd Wesemann
Einen Länderreport soll ich schreiben, bittet die Redaktion, wo ich doch in England lebe und viel in Spanien bin. Ich sage mehrfach nein und dann doch ja. Dabei zeichnet sich diese Spielzeit dadurch aus, dass ich in England praktisch nonstop, in Spanien aber nur ein einziges Mal war, nämlich letzten Dezember, in Barcelona. Andersherum wäre länderreportmäßig besser...
Programmatische Premieren. Gleich zu Beginn der Saison 2020/21 titelt Emily Molnar jedenfalls noch hoffnungsvoll einen Abend «Endlessly Free» – und ohne Zweifel spricht die neue Direktorin des Nederlands Dans Theater (NDT) damit den wenigen, noch erlaubten Zuschauern im Zuiderstrandtheater in Den Haag aus dem Herzen. Auch zwei Monate später klingt die Botschaft...
Obwohl erzwungen, hat das Homeschooling die Bindung zu meinen Kindern gestärkt. Und als ich trotz zwangsweiser Abschottung in ein Tanzstudio zurückkehren konnte (ganz allein!), hat es sich angefühlt, als würde ich eine faszinierende einsame Insel entdecken. Ich habe die vielen Künstler bewundert, die den Lockdown nutzten, um in ihren Küchen, Fluren, über das...
