Gegendruck
Joy Alpuerto Ritter, wir sind hier auf dem Tempelhofer Feld mitten in Berlin. Ich fand das tiefe Ausatmen eben herrlich, als wir beide aus der engen Herrfurthstraße in diese Weite hinaustraten.
So ein unverstellter Horizont. Das ist jedes Mal ein ganz unerwartetes Gefühl, obwohl ich hier schon so oft gewesen bin. Man gewöhnt sich derart schnell an die Berliner Enge, dass mich die freie Landschaft immer wieder überrascht. Drehen wir eine Runde um den alten Taxiway?
Gerne.
Heißt das, öfter mal die Perspektive wechseln?
Als Tänzerin? Unbedingt. Ich bin halt neugierig. Bei mir hat sich die Lust am Perspektivwechsel einfach festgesetzt. Erst Folk Dance, dann Ballett, dann zeitgenössisch, Hip-Hop. Egal, ob das eine Tanztechnik oder eine ganze Kultur war, ich habe mich da immer richtig reingeworfen. Man lernt ja physisch, man lernt Technisches, und es hat auch etwas Menschliches, denn man tanzt eben nicht allein. Ich habe immer neuen Input gesucht. Und habe mich jedes Mal auch nur auf einen Stil fokussiert und versucht, ihn zu lernen und zu mastern.
Lernen heißt, sich etwas anzueignen, etwas Positives. Heute assoziieren wir beim Wort Aneignung eher Raubkunst, eine Übergriffigkeit ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 21
von Arnd Wesemann
Als John Neumeier und das Hamburg Ballett «Ghost Light» wenige Wochen nach der Uraufführung im Oktober 2020 nach Baden-Baden brachten, war die Pandemie, wie wir heute wissen, noch lange nicht vorbei. Aber wir hegten irgendwie Hoffnung. «Ghost Light» war eines jener wenigen neuen Tanzstücke, die wir im Herbst nach dem Lockdown vom Frühjahr 2020 sehen konnten. Es war...
Henk van Dijk, nur wer genau bei einem Film hinschaut, wird Sie kennen: als Kameramann. Wirklich sichtbar werden Sie dem Publikum nur in «Live», einem Ballett von Hans van Manen, das zuletzt wieder an der Wiener Staatoper zu sehen war. In der Regel agieren Sie im Hintergrund.
Und das ist auch meine Absicht, unsichtbar zu bleiben. Man will dem Zuschauer ja das Bild...
Als der Corona-Ausnahmezustand Mitte März 2020 Deutschland erfasste und wir das Ballettzentrum Hamburg schließen mussten, war es sehr schwer, der neuen Realität ins Auge zu sehen. Plötzlich gab es nur noch Online-Trainings, zu Hause. Keine Aufführungen. Es war hart, sich nicht mehr zu berühren und gemeinsam mit Kollegen tanzen zu dürfen. Von einem Tag auf den...
