freiburg: joachim schlömer «engel der verzweiflung»
«Angelus Novus» hat Paul Klee sein Aquarell genannt, das 1920 in Weimar entstand. Bis zu seinem selbst gewählten Tod hat es Walter Benjamin begleitet, der das Bild in seinem Buch «Über den Begriff der Geschichte» so beschreibt: «Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet […] Aber ein Sturm weht vom Paradiese her», und der «treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt».
Als «Engel der Verzweiflung», um ein Wort von Heiner Müller zu zitieren, erlebt der «neue Engel» sein choreografisches Comeback: In einen paillettenbesetzen Bikini gekleidet, das Antlitz unter einer Perücke verborgen, versetzt ihn Joachim Schlömer zu Anfang in einen Schwebezustand, den das barocke Schlaflied illustriert, das Cristina Zavalloni auf dem Boden kniend singt. Aber auch ein Engel erwacht einmal, wenig später findet sich Maura Morales auf einer Erde wieder; hier drehen sich die Menschen immer schneller im Kreis ihrer Laster und Leidenschaften.
Das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Im ersten Teil der «Produktionen mit TänzerInnen, Sängerinnen und Musikern» ...
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