Flying Steps «Flying Hänsel und Gretel»
Diese Kinder hungern nicht nach Essen, sondern nach digitaler Aufmerksamkeit: Mit «Hänsel und Gretel» haben sich die Flying Steps aus Berlin, ein Urgestein des deutschen Hip-Hop und neben den Kollegen von Pottporus/Renegade aus Herne (tanz 7/24) schon immer ein wenig Show-lastiger nach dem Sprung von der Straße auf die Bühne unterwegs, der Deutschen liebste Märchenoper vorgenommen.
Hier verirren sich die Kinder in der Influencer-Szene, die Hexe schreitet voguing-mäßig mit ihren Backgroundtänzerinnen einher und lockt ihre Follower mit brillantenbesetzten Krallen. Seit 14 Jahren touren die Tänzer um Regisseur Vartan Basil schon mit ihrem Erfolgsstück «Flying Bach» durch die ganze Welt, in Hamburg tanzten sie in «Flying Pictures» zu Modest Mussorgsky. Seit Mai nun stellen sie Engelbert Humperdincks spätromantische Oper mit Kinderliedern wie «Brüderchen komm tanz mit mir» in einen schrägen Kontrast zu hämmernden Rhythmen oder Popsongs, deren Texte wie ironische Kommentare klingen. Zwei Sopranistinnen sind neben dem Pianisten Christoph Hagel mit von der Partie, der reimende Beatboxer Daniel Mandolini gibt dem Abend zwar Pointen, verstärkt aber auch die revueartige Form. Weiße Linien ...
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Tanz August/September 2024
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Angela Reinhardt
Eine einstündige One-man-Show, Auge in Auge mit dem Publikum: Der experimentierfreudige Performer Marco D’Agostin erweist seinem Mentor Nigel Charnock die Ehre, dem großen englischen Entertainer, der in den 1980er-Jahren das DV8 Physical Theatre mitgründete und 2012 viel zu früh, mit 52 Jahren, verstarb. Als die beiden einander begegneten, war D’Agostin 23 Jahre...
In den sechs Jahren seiner Intendanz war Tamas Detrich trotz zahlreicher Uraufführungsabende noch nicht das Glück seiner Vorgänger vergönnt, einen neuen, interessanten Choreografen zu finden; freilich kämpft er im bisher reich verwöhnten Stuttgart gegen eine fast schon unverschämte Erwartungshaltung.
Seit zwei Jahren ist der Slowake Roman Novitzky Artist in...
Im Skulpturensaal des Brüsseler Kulturzentrums Bozar steht ein Wohnzimmerklavier. Sieben Performer*innen haben sich unbemerkt unter das Publikum gemischt, erkennbar nur durch ihre etwas merkwürdige Bekleidung, die ihnen das Aussehen von «cadavres exquis», jenen «köstlichen Leichen» des Surrealismus, verleiht. Zunächst herrscht diffus-kühles Tageslicht (Lichtregie:...
