Alessandro Sciarroni «Dream»
Im Skulpturensaal des Brüsseler Kulturzentrums Bozar steht ein Wohnzimmerklavier. Sieben Performer*innen haben sich unbemerkt unter das Publikum gemischt, erkennbar nur durch ihre etwas merkwürdige Bekleidung, die ihnen das Aussehen von «cadavres exquis», jenen «köstlichen Leichen» des Surrealismus, verleiht. Zunächst herrscht diffus-kühles Tageslicht (Lichtregie: Valeria Foti), später wird die Beleuchtung wärmer und fokussierter, schließlich beginnt sie, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Die Performer*innen scheinen ganz mit sich selbst beschäftigt.
Ihre Augen sind weit geöffnet, doch sehen sie nicht dieselbe Wirklichkeit wie das Publikum. Sparsame Gesten geben preis, was in den Figuren vorgeht – Schlafwandler*innen, körperlich präsent, aber geistig abwesend. Ihre konzentrierten Blicke schauen einen Traum, dabei scheint ihre innere Uhr langsamer zu gehen als unsere. Ihre Slowmotion-Bewegungen legen diese Vermutung nahe, ebenso wie Davide Finottis Klavierspiel: Er greift nur sparsam in die Tasten, mit langen Intervallen der Stille zwischen den einzelnen Noten. Erst nach einer Stunde gewinnt sein Spiel an Momentum, Fragmente aus Bachs «Goldberg Variationen», Eric Saties ...
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Tanz August/September 2024
Rubrik: Tanz im August, Seite 27
von Pieter T’Jonck
Jahrbuch
Sie ist der Stoff, aus dem Träume und Alpträume gemacht sind. Nicht nur, aber auch am Theater spielt sie immer noch eine Hauptrolle. Deshalb handelt unser Jahrbuch 2024: von der Macht. Per Kritiker*innen-Umfrage ermitteln wir die Highlights der Saison, dazu gesellen sich Länderreports und VIPs
John Cranko
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«Take Five» ist ein typisches Alexander-Ekman-Stück: perfekt gesetzter Tanz von einem ultraprofessionell agierenden Ensemble, einschmeichelnde Musik mit leichten Widerhaken, eine herzerwärmende Story, die, kurz bevor sie vollkommen in fröhlicher Cheesyness versinkt, einen Abgrund aufscheinen lässt, der dann wieder mittels Humor eingeebnet wird, zumindest solange...
