Roman Novitzky, David Dawson «Novitzky/Dawson»
In den sechs Jahren seiner Intendanz war Tamas Detrich trotz zahlreicher Uraufführungsabende noch nicht das Glück seiner Vorgänger vergönnt, einen neuen, interessanten Choreografen zu finden; freilich kämpft er im bisher reich verwöhnten Stuttgart gegen eine fast schon unverschämte Erwartungshaltung.
Seit zwei Jahren ist der Slowake Roman Novitzky Artist in Residence, sein erstes Werk für die Opernhausbühne schlägt den umgekehrten Weg von Dante Alighieris «Göttlicher Komödie» ein: vom Paradies in die Hölle.
Mitsamt dem Purgatorio dazwischen sieht beides auf Yaron Abulafias Bühne so hochglanzbunt wie steril aus – an Hofesh Shechters düstere Großstadthöllen darf man gar nicht denken. An allen drei Stationen setzt Novitzky seinen einsamen Reisenden in Bezug zur Gesellschaft, die sich ganz in Weiß zu Paaren findet und ihre Harmonie zu einem lilafarbenen Oval aufsteigen lässt, die den Reisenden sodann, in schwarze und weiße Schatten geteilt, vor einem lichtblitzenden Tor zu manipulieren versucht, bis sie sich schließlich in dunklen Kapuzenmänteln vor einer Betonmauer am Boden quält. Bis auf das verwirrende Höllen-Bild ist das alles wohlfeil ausgedacht und auch lesbar umgesetzt, vor der ...
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Tanz August/September 2024
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Angela Reinhardt
Im Skulpturensaal des Brüsseler Kulturzentrums Bozar steht ein Wohnzimmerklavier. Sieben Performer*innen haben sich unbemerkt unter das Publikum gemischt, erkennbar nur durch ihre etwas merkwürdige Bekleidung, die ihnen das Aussehen von «cadavres exquis», jenen «köstlichen Leichen» des Surrealismus, verleiht. Zunächst herrscht diffus-kühles Tageslicht (Lichtregie:...
Da steht einer und nimmt Umarmungen entgegen. Jede ist anders. Dem einen legt er den Kopf auf die Schulter, den nächsten zieht er nur sachte heran, der Dritte schlüpft kindergleich in seine Arme. Fünf, zehn, zwanzig Umarmungen? Wie viele es sind, ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass der Mann gerade noch voller Selbstzweifel seine Zukunft betrachtet, die Arme...
Am Anfang sind sie nur eine Nummer und träumen davon, sich eine Rolle in einem neuen Broadway-Stück zu ertanzen. Junge und nicht mehr ganz so junge, auf jeden Fall engagierte und ehrgeizige, mitunter auch verzweifelte («Verdammt, ich brauch den Job, ich hoff, ich krieg den Job») Tänzerinnen und Tänzer. Und damit ist auch der Zuschauer gleich mittendrin in der...
