fabienne hott
«Ich tanze jetzt die Rolle der Nikija aus Marius Petipas ‹La Bayadère›», sagt die 15-jährige Gymnasiastin Fabienne Hott, dann ist sie weg. Eingetaucht in eine der dramatischsten Liebesgeschichten der russischen Klassik. Ansprechbar ist sie jetzt nicht mehr. «Im Ballettsaal vergesse ich alles. Korrekturen höre ich gar nicht, die kann ich erst nachher aufnehmen.» Zur dramatischen Musik von Ludwig Minkus tanzt Fabienne Hott ausdrucksstark die schwere und schnelle Partie der Tempeltänzerin Nikija, deren Liebe zum Krieger Solor nicht sein darf.
Ihr langgestreckter schmaler Körper bebt, ihr zartes Gesicht ist geprägt von Leid und Schmerz. «Ballett ist alles, Ballett ist mein Leben», sagt die Einser-Schülerin, die nach der Ganztagsschule täglich mehrere Stunden im Ballettsaal schwitzt.
Im Solo der Nikija mit seinen komplizierten Schritten und Sprüngen, Pliés und Pirouetten berührt Fabienne Hott besonders, weil sie Gefühle tanzt, die sie selbst noch gar nicht erlebt hat. Ihre Körpersprache und ihre Mimik sind dabei so einnehmend, dass man sich sparen kann, das Libretto zu studieren.
Hervorragende junge Tänzerinnen gibt es viele, aber nicht alle haben das Charisma und die Linien einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 158
von Natali Kurth
Antony Rizzi ließ in seinem jüngsten Stück fürs Gärtnerplatztheater einen Tänzer sagen: «Ich danke Bill Forsythe, bevor er vergessen wird.» Es ist die bündigste Formel, auf die sich die logische Konsequenz aus den lakonischen Meldungen der vergangenen Monate um den Choreografen William Forsythe bringen lässt – im schlimmsten Fall. Am 31. Dezember 2013, einen Tag...
Emma Martin mag zwar erst drei substanzielle Stücke vorgelegt haben, doch ihr choreografisches Profil ist bereits deutlich erkennbar. Nach ihrem Studium an der Stuttgarter John-Cranko-Schule kehrte sie in ihre Heimat Irland zurück, um mit verschiedenen Tanzkompanien zu arbeiten und dann am Dubliner Trinity College Russisch und Theaterwissenschaften zu studieren....
Ein Nebeneffekt der Aufbewahrung von irgendetwas in einem Raum, den wir Museum nennen, ist das Anwachsen seiner Bedeutung in den Augen des Besuchers, unabhängig davon, ob er sie erkennt oder nicht. Man hat es ausgestellt, dann wird es bedeutend sein. Man hat es gedruckt, dann wird es gut sein. Es kostet 10.000 Euro, dann muss es auch was wert sein. Wenn es der Mühe...
