Fabian Chyle: «Re-Inventing Nijinsky»
«Ich bin Gott», schrieb Vaslav Nijinsky. «Ich bin der Geist in jedem Menschen». «Ich bin Vaslav», sagen brave Bürger am Eingang der Ludwigsburger Karlskaserne in die Kamera. «Ich bin kein wildes Tier», sagt eine Stimme auf der Bühne, auf der der alte Videokünstler Alex Schmidt an einem kleinen, brüchigen Wohnwagen zimmert. Fabian Chyle tritt hinzu, der Stuttgarter Choreograf, drängt kopfüber durchs Fenster ins Gefährt, sitzt mit dackelohriger Pelzmütze im engen Inneren, trinkt Beuteltee mit dem Alten, entfacht Dampf zwischen seinen Beinen, der aus dem Wagen quillt.
Panisch ins Freie stürzend tanzt Fabian Chyle auf dem roten Teppich abrupte, hektische Bewegungen mit den Armen, wieder und wieder die gleiche kurze Strecke. Folgt tanzend einem Scheinwerferspot, holt ihn aber nie ein: Nijinksy auf der Spur.
Unvermutet tritt Chyle über die Rampe, befiehlt einigen Zuschauern: Aufstehen, Arm hoch, Blick zur Dame, sodass «dramatische Bezüge» entstehen. «Tanz ist eine ernste Sache», sagt er und ist zum Heulen lächerlich und pathetisch, ein wunderbarer Darsteller zwischen bubenhaft albern und todernst: Er stellt kein klassisches Ballett nach, zeigt aber schönes Bein. In seinem «Hörspiel in ...
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Gradimir Pankov
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