Eyal Dadon, Yemi A.D., Sharon Eyal «BPM»

Prag

«bpm» – Beats pro Minute – der aktuelle Abend beim Ballett des Prager Nationaltheaters bezieht sich auf den Herzschlag und lässt sofort die Herzen des vornehmlich jungen Publikums höherschlagen. Was auch an den Sounds liegt, bei denen Klangwelten unterschiedlicher Herkünfte sich in mitreißende oder nachdenklichere Beats verwandeln.

«Artza» heißt die Uraufführung von Eyal Dadon aus Israel. Und das ist ein hebräischer Befehl, er gilt einem Hund, einem Tier: Steh-Sitz-Geh! Also eigentlich nicht für Menschen gedacht.

Aber wie geht der Mensch mit dem Tier in sich um, mit dem Tier, das er in anderen sieht, mit offensichtlichen oder verborgenen Bestien? Dadon lässt für die Tänzerinnen und Tänzer, begleitet von Schattenfiguren, die Unterschiede zwischen der Maske eines Wolfes und dem wahren Antlitz eines Menschen nicht immer klar erkennbar bleiben. Und so steigert sich seine Kreation so weit, dass Menschen mit explosiver Kraft gegen sich selbst antanzen müssen, um bei sich selbst anzukommen. Ganz ohne Befehle. 

Für die zweite Uraufführung, «Bohemian Gravity», konnte mit Yemi A.D., der erstmals mit einem Ballett arbeitet, ein Künstler aus Prag mit nigerianischen Wurzeln gewonnen werden, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz 6 2022
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Boris Gruhl

Weitere Beiträge
Collective Growth

Welches Modell holt das meiste für eine Kompanie raus: «top down» und Hierarchie, oder Partizipation und Co-Kreation? Und was braucht es, um in die Co-Kreation zu wechseln? «Top down» hat seine Vorteile: Entscheidungen werden an einer Stelle getroffen und können auf den ersten Blick schneller durchgesetzt werden. Als Führungskraft ist vieles sehr klar und...

Raymonda

Was für eine Tänzerin! Jede Bewegung fließt bis in die Fingerspitzen, und ihre Blicke sprechen Bände. Olga Smirnova ist wie geschaffen für die Rolle der Raymonda, eine klassische Ballerina comme il faut; und sie verkörpert die filigrane Fürstentochter in dem gleichnamigen Ballett von Alexander Glasunow voller Hingabe – wobei sich gerade diese Hingabe im Verlauf der...

sidestep 6/22

Newcomer
MARC OOSTERHOFF Wenn Marc Oosterhoff über die Bühne geht, ist der Absturz immer ganz nah. Mal kippt ihm der Boden unter den Füßen weg, mal fällt ein Messer von der Decke, mal ein Sandsack, mal ein Gewicht. Was immer die Zuschauenden befürchten – es trifft ein. Und trifft ihn nicht. Dann geht ein Aufatmen durch die Reihen, das kathartisch zu nennen etwas...