«EchoPerformance» in Bremen
«EchoPerformance» in Bremen
Die Architektur des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen, in direkter Nachbarschaft zur Kunsthalle gelegen, bot zusammen mit den ausgestellten Skizzen, Skulpturen und Tierplastiken des vom nationalsozialistischen Regime geächteten Künstlers ein passendes Umfeld für die Aufführung des interdisziplinären «EchoPerformance»-Projekts, das Absolventen und Studierende der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg unter der Leitung von Rée de Smit erarbeitet hatten.
Ausgangspunkt waren Motive aus dem choreografischen Werk von Sigurd Leeder, die in assoziativer Weise zu Tanztableaus verdichtet wurden. Die Choreografin und Tanzdozentin Rée de Smit hat bei Leeder in Herisau studiert und in vielen Aufführungen mitgewirkt. Mit der zeitgenössischen Performance und dem Symposium «Sigurd Leeder – Tanzgeschichte im Verborgenen» erinnerte sie an das Lebenswerk des Künstlers und Pädagogen.
Mit einer außerordentlich starken Präsenz durchzogen die Studierenden als «Walking Sculptures» in unterschiedlichen Konstellationen die Ausstellungsräume und besetzten diese mit ihren getanzten Improvisationen und «instant compositions». In diese Kompositionen waren teilweise Bewegungsmuster oder kleine Sequenzen aus Leeder-Choreografien verwoben, so aus «Rain» (1952), «Summer» (1952), «Prélude» (1953), «Mobile» (1957), «Lied ohne Worte» (1966), «Erde» (1967) oder «Von fremder Art» (1970–72). Inspiriert durch «Gargoyles/Wasserspeier», eine von Leeder 1972 für seine Herisauer Studenten geschaffene Choreografie, präsentierte ein Teil der Tanzenden auch eindrucksvoll gestaltete Masken, die von ihnen selbst gefertigt worden waren. Mit ihrem animalisch-menschlichen Aussehen wurden die Maskenträger sogar Teil der Ausstellung und erinnerten ihrer Wirkung nach an Leeders «Nachtstück» (1926), eines seiner frühen Werke. Für die Zuschauer waren die Aufführungsmomente besonders spannend, wenn Tanzende in ein Wechselspiel mit Exponaten traten. Die für diese «EchoPerformance» von Peer de Smit komponierte Musikfolge ließ Publikum und Akteure eintauchen in verschiedene Stimmungen, sie provozierte Schattierungen in den Bewegungsqualitäten und taktete auch die Wechsel der choreografischen Arrangements, die das wandernde Publikum einbezogen.
Die Scores dieser Produktion hatte Rée de Smit mit den Studierenden entworfen, und zwar mit Hilfe des von ihr und ihrem Mann Peer entwickelten «EchoRaum»-Konzepts. Dabei handelt es sich um eine interdisziplinäre Arbeitsweise, die Resonanzflächen und Instrumente offeriert, um individuelle Gestaltungsimpulse, Assoziationen und Sichtweisen der jeweils Beteiligten in den Prozess der reflexiven Begegnung und Performance-Gestaltung integrieren zu können. Was ganz im Sinne Sigurd Leeders ist, der eine offene und subjektorientierte, aber dennoch im Detail äußerst präzise Arbeitsweise bevorzugte.
Tanz Juli 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 59
von Claudia Fleischle-Braun
Amsterdam
Julidans
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