Dortmund: Anna Hop, Yuri Possokhov, Juanjo Arqués, Christopher Wheeldon «Fordlandia»

Schön fängt es an: Der Vorhang im Dortmunder Opernhaus geht auf, die Bühne steht leer. Dann öffnet sich weit hinten die Tür nach außen, und man sieht: Watt. Im Video. Dazu ein Chopin-Walzer. In der Meereszone zwischen Strand und Wellen sitzt nun ein Mann auf einem Stuhl. Er schließt die Augen. Es öffnet sich ein Vorhang, im Film, vielleicht vor seinem inneren Auge; die Kamera erspäht im leeren Zuschauerraum eine einzige Person. Spot: Lucía Lacarra. Die Tänzerin hält Ausschau nach jemandem und kreuzt wie fröstelnd die Arme vor der Brust.

Plötzlich sitzt da er, Matthew Golding, auf dem schon bekannten Stuhl. Mann und Frau berühren einander kurz an Händen und Schultern. Er gibt ihr ein Küsschen auf die Stirn. Letzte Töne, sie lösen die Finger.

Finden sich auf der realen Bühne wieder. Miteinander. Sie tanzen auf so behutsame Weise, gelassen, vertrauensvoll, dass es beim Zuschauen unter die Haut geht. Sie, auf Spitze, in schwarzen Hosen, lässt sich rückwärts kippen, er hält sie, wandert mit den Fingern auf ihr, legt sie sich aufs Knie, lässt sie an seinem Rücken lehnen. Sie legen Hände auf Augen und nehmen sie von den Augen. Er hebt sie, dreht sie, setzt sie ab. Im Video tun sie das ...

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Tanz November 2020
Rubrik: Kritik, Seite 30
von Melanie Suchy

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