Dominique Efstratiou: «Orestie»
Kassandra sieht im Spiegel der fußhoch gefluteten Orchesterwanne Menschenleben. Im Palast hinter ihr verzehren sich Klytaimnestra und Aigisthos in erotischen Hebungen. Priesterinnen breiten dem heimkehrenden Agamemnon rote Kleidchen unter die Füße – blutige Erinnerung an die Opferung seiner Tochter. Sanft trägt der Feldherr seine Trophäe Kassandra herein, das Volk wirft sie ans Portal. Klytaimnestra legt ihrem Gatten einen Mantel mit Blutstrahl um, dann streut sie Blumenblätter ins gemeinsame Bad.
Kassandras Verzweiflungssolo bereitet vor: die letzte Begegnung der fremd gewordenen Eheleute, ein kussverschweißtes Wälzen im koitalen Taumel, bei dem sie ihn erstickt. Aufgewühlt steht im zweiten Teil Orest vor dem Vatergrab. Auf Knien nähert er sich Elektra, mit dem Mund reicht sie den Dolch. Beim Begrüßungstanz ersticht Orest den Thronusurpator. Streichelversuchen der Mutter entzieht er sich, bis das Gesetz Erfüllung verlangt. Unter Wahnsinnsklang und dem baumelnden Leichnam der Mutter im roten Endloskleid bedrängen ihn die Erinnyen, ehe das Eingreifen von Apollon und Athene den Schuldigen entschuldet. Den Geistern seiner Eltern folgt er ins Bad. Dominique Efstratiou entwickelt für ...
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Trance und Ekstase sind für uns Kontrollverluste. Für Burkhard Gladigow in seinem soeben erschienenen Buch «Religionswissenschaft als Kulturwissenschaft» (Kohlhammer) ist Trance eine Besessenheit von außen. Ekstase dagegen ein Heraustreten nach außen. In Trance gerät man etwa durch einen Dämon.
Dieser Wahn mag noch an eine überwundene Form archaischer Religiosität...
«Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar», zitiert das Programmheft einen Kernsatz aus dem Buch «Der kleine Prinz». Nichts dagegen. Aber ein «phantastisches Ballett», das sich seine Geschichte zu eigen macht, will vor allem gesehen werden, und das nicht bloß mit dem Herzen.
Gregor Seyffert muss sich also schon was einfallen lassen, und damit hat er keine Not:...
Ziya Azazi, Sie sind Sufi, Sie tanzen als Derwisch. Was spüren Sie beim Tanzen? Ist es für Sie ein ekstatischer Akt?
Ja. Mit meinem Körper und Geist bin ich am Zenit und fragil zugleich. Du hast das Gefühl, es geschieht mit dir was. Du bist so offen und aufnahmefähig, dass du dir alles erlaubst, es gibt keine Kontrolle. Man ist hungrig und satt, die Augen tränen und...
