Die Chemie der Ekstase

Irene Sieben über Adrenalin und Endorphine und ihre Folgen für den Tanz. Pure Energie und wie Künstler sie beherrschen: Meg Stuart, Yasmeen Godder, Cena 11, Elizabeth Streb, Mathilde Monnier, Wim Vandekeybus und Rubato

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Hip, Hype, Hurra! Zwei Hütchen auf den Nieren – links ein dreieckiges, rechts ein halbmondförmiges – produzieren die Droge unserer Zeit: Adrenalin. Jener Botenstoff, der allen Kreaturen zu Flight und Fight verhilft und somit ihr Überleben sichert, schafft pure Energie und führt im Schlepptau eine Droge mit, die Schmerzen stillt und high macht: Endorphine.

Diese Reaktionskette des autonomen Nervensystems ist das älteste Geschenk der Evolution an eine Menschheit, deren urbane Lebensweise  den Kampf gegen wilde Tiere und die Flucht zu Fuß längst hinter sich gelassen hat, für die der Botenstoff ursprünglich erschaffen wurde. Wettbewerb, Zeitdruck, Aggression, Angst katapultieren den Stadtneurotiker heute unverwandt in ein ähnliches biochemisches Klima erhöhter Energiebereitschaft. Doch der meist ungenutzte Kraftschub staut sich. Was bleibt, sind Schlacken im Organismus und ein Zustand, den wir Stress nennen.
Was Manager, Feuerwehrleute, Notfallmediziner, überreizte Mütter, Eheleute im Clinch ins Burnout-Syndrom und schlimmstenfalls in die Chronic-Fatigue-Falle katapultiert, nutzen Tänzer als tägliches Brot. Manche sind süchtig nach Adrenalin und in Extremsituationen höchster ...

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Tanz November 2005
Rubrik: Workshop, Seite 72
von Irene Sieben

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