Die Farbe rosa
Sie haben eine fünfjährige Tochter mit Ballettambitionen, die mit rosa Prinzesschen aber nichts am Hut hat? Gratulieren Sie dem Kind zu seinem guten Geschmack – und ansonsten: Vergessen Sie’s einfach. Neun von zehn Schulen werden Ihre diesbezügliche Anfrage höflich, aber bestimmt bescheiden: «Ja, selbstverständlich tragen unsere Babyballerinen Rosa, was denn sonst? Und ein passendes Röckchen bringen Sie bitte auch!» Die eine, die übrig bleibt, lässt vielleicht weiße Schwänchen zu – «aber die Strumpfhosen, die müssen rosa sein, da gibt es eh nix anderes.» Wohl wahr.
Wer die einschlägigen Kleidergeschäfte sichtet, kriegt sowieso einen Rosa-Schock und erleidet am Ballettständer den endgültigen Augen-Infarkt: Trikots, Schuhe, Jacken, Röckchen, Stulpen – ein einziger Miss-Piggy-Wahnsinn.
Nicht umsonst hat Rudolf Nurejev 1978 ausgerechnet mit der beleibten TV-Schweinediva eine knallige Parodie auf den Rosa-Fummel-Fimmel seiner Kunst und dessen Nebenwirkungen geliefert. Denn Rosa ist nicht nur eine unmögliche Farbe, es macht vor allem unmöglich fett. Schwarz streckt die Linie, Weiß hat wenigstens eine unschuldige Note, aber in Rosa sehen noch nicht einmal Fünfjährige vorteilhaft aus – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das English National Ballet hat soeben seinen besten Tänzer, einen ultimativen premier danseur noble, von der Gehaltsliste streichen müssen: Thomas Edur wurde zum künstlerischen Leiter des Nationalopernballetts von Estland in Tallinn ernannt. Mit solch großen Tänzern aus aller Welt konnte sich das English National Ballet schon immer rühmen, aber jetzt wächst eine...
Dass namhafte Ballettkompanien auf internationale Tourneen gehen, ist heute vorrangig ökonomisch motiviert. Freizügigkeit, die notwendige Voraussetzung, wenn wie jüngst das englische Royal Ballet nach Kuba reisen kann, erscheint als eine Selbstverständlichkeit. Unterwegs verströmen die reisenden Künstler zwar die warme Botschaft der Völkerverständigung beim...
Raus aus dem Geklumpe! Soll man der zeitgenössischen Tanzszene Böses wünschen? Nein, das geht doch nicht. Sie hat es sowieso schwer genug. Tanz ist marginalisiert im Vergleich zu den anderen Künsten, beutet sich unaufhörlich aus. Immer fehlt es an allen Ecken und Kanten. Nur wie, fragt man sich, konnte es sich die Szene trotz all dieser Widrigkeiten so gemütlich...
