Die Farbe rosa
Sie haben eine fünfjährige Tochter mit Ballettambitionen, die mit rosa Prinzesschen aber nichts am Hut hat? Gratulieren Sie dem Kind zu seinem guten Geschmack – und ansonsten: Vergessen Sie’s einfach. Neun von zehn Schulen werden Ihre diesbezügliche Anfrage höflich, aber bestimmt bescheiden: «Ja, selbstverständlich tragen unsere Babyballerinen Rosa, was denn sonst? Und ein passendes Röckchen bringen Sie bitte auch!» Die eine, die übrig bleibt, lässt vielleicht weiße Schwänchen zu – «aber die Strumpfhosen, die müssen rosa sein, da gibt es eh nix anderes.» Wohl wahr.
Wer die einschlägigen Kleidergeschäfte sichtet, kriegt sowieso einen Rosa-Schock und erleidet am Ballettständer den endgültigen Augen-Infarkt: Trikots, Schuhe, Jacken, Röckchen, Stulpen – ein einziger Miss-Piggy-Wahnsinn.
Nicht umsonst hat Rudolf Nurejev 1978 ausgerechnet mit der beleibten TV-Schweinediva eine knallige Parodie auf den Rosa-Fummel-Fimmel seiner Kunst und dessen Nebenwirkungen geliefert. Denn Rosa ist nicht nur eine unmögliche Farbe, es macht vor allem unmöglich fett. Schwarz streckt die Linie, Weiß hat wenigstens eine unschuldige Note, aber in Rosa sehen noch nicht einmal Fünfjährige vorteilhaft aus – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schwarzsehen gilt nicht. Schon gar nicht für die Zukunft. Ein halbes Dutzend Stücke hat Marco Goecke in den vergangenen Monaten choreografiert, darunter immerhin Auftragsproduktionen für Les Ballets de Monte Carlo, das Nederlands Dans Theater II, Scapino Ballet Rotterdam, das Nors-ke Nasjonalballetten und für das Stuttgarter Ballett, bei dem er weiterhin unter...
Mikhail Baryshnikov ist immer noch die Nummer eins. Sein unendlicher Mut lässt ihn noch immer neue Risiken eingehen, als fantastischer Tänzer der er ist, egal ob er in dramatischen Stücken des Schweden Mats Ek zusammen mit der großartigen Ana Laguna auftritt oder in Soli arbeitet, die Alexei Ratmansky für ihn schuf, in denen er mit selbstironischer Geste sein...
Der schwedische Schriftsteller Carl Jonas Love Almquist schreibt 1835 das Theaterstück «Signora Luna». Ein arabischer Muselman erobert darin nicht nur Sizilien, sondern auch das Herz der zarten Titelfigur, die für ihn die Treue zu Vaterland und Eltern vergisst. Was dem Muselman, Abul Kasem sein Name, allerdings überhaupt nicht gut bekommt. Das Stück ist...
