Die Farbe rosa

und warum Mädchen in einem bestimmten Alter darauf so abfahren

Tanz - Logo

Sie haben eine fünfjährige Tochter mit Ballettambitionen, die mit rosa Prinzesschen aber nichts am Hut hat? Gratulieren Sie dem Kind zu seinem guten Geschmack – und ansonsten: Vergessen Sie’s einfach. Neun von zehn Schulen werden Ihre diesbezügliche Anfrage höflich, aber bestimmt bescheiden: «Ja, selbstverständlich tragen unsere Babyballerinen Rosa, was denn sonst? Und ein passendes Röckchen bringen Sie bitte auch!» Die eine, die übrig bleibt, lässt vielleicht weiße Schwänchen zu – «aber die Strumpfhosen, die müssen rosa sein, da gibt es eh nix anderes.» Wohl wahr.

Wer die einschlägigen Kleidergeschäfte sichtet, kriegt sowieso einen Rosa-Schock und erleidet am Ballettständer den endgültigen Augen-Infarkt: Trikots, Schuhe, Jacken, Röckchen, Stulpen – ein einziger Miss-Piggy-Wahnsinn.

Nicht umsonst hat Rudolf Nurejev 1978 ausgerechnet mit der beleibten TV-Schweinediva eine knallige Parodie auf den Rosa-Fummel-Fimmel seiner Kunst und dessen Nebenwirkungen geliefert. Denn Rosa ist nicht nur eine unmögliche Farbe, es macht vor allem unmöglich fett. Schwarz streckt die Linie, Weiß hat wenigstens eine unschuldige Note, aber in Rosa sehen noch nicht einmal Fünfjährige vorteilhaft aus – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 76
von Dorion Weickmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jean- Sébastien Lourdais

Wenn Sie die Gelegenheit haben, Jean-Sébastien Lourdais’ intuitive Körperlichkeit zu erleben, ergreifen Sie sie! Der Autodidakt mit der untypischen Herangehensweise kommt ursprünglich aus Frankreich, lebt aber seit über einem Jahrzehnt in Montreal. Bei ihm sprechen Gesten eine lautere Sprache als Worte. Er betont das Instinktive und präsentiert Figuren im Zustand...

Hélène Bouchet

Elfenhaft. Das ist ein geläufiges Lobeswort für Ballerinen. Die Phrase zeigt zwingend auf den Stil der Romantik-Epoche. Das Klischee gegen den Strich zu bürsten, es sehr persönlich mit Leben von heute zu füllen und doch etwas vom historischen Zeitgeist zu vermitteln, das ist Hélène Bouchets phänomenale Leistung bei ihrer Reanimation von «La Sylphide» am Hamburg...

Gintersdorfer / Klassen

Fast wäre Monika Gintersdorfer eine ganz normale Regisseurin am Stadttheater geworden. Lauter deutsche Erstaufführungen, routinierte Textbehandlung, eloquente Übersetzungen junger Autoren. So ging es von der Studiobühne zu den Salzburger Festspielen. Dort hat man ihr auf die Finger gehauen. Zum Glück. In einer Aktion namens «Ausziehen» zerschmetterte sie darauf in...